
Vorweg: was dieser Beitrag leistet – und was nicht
Berlin und sein Umland haben eine lebendige Forschungs- und Biotechlandschaft, von Universitäten und Kliniken bis zu Technologieparks wie in Adlershof. Entsprechend häufig werden wir gefragt, wie die Reinigung in Laboren und kontrollierten Bereichen funktioniert. Hier geht es um das Grundwissen. Er ersetzt weder die Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements noch die Regeln Ihrer Sicherheitsbeauftragten.
Wichtig zur Einordnung: Putzhelden bietet keine zertifizierte Reinigung für einen Reinraum oder andere klassifizierte Bereiche an. Die Reinigung von Bereichen mit Reinheitsklassifizierung – insbesondere in der pharmazeutischen Herstellung – verlangt validierte Verfahren, spezielle Schulungen und Dokumentation, die spezialisierte Dienstleister oder das eigene, qualifizierte Personal übernehmen. Was ein allgemeiner Gebäudereiniger in Laborgebäuden sinnvoll übernehmen kann, beschreiben wir weiter unten.
Labor ist nicht gleich reiner Bereich
Die beiden Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Ein Labor ist ein Arbeitsraum für Untersuchungen, Analysen oder Forschung. Es kann chemisch, biologisch, physikalisch oder medizinisch ausgerichtet sein. Ein Reinraum dagegen ist ein Raum, in dem die Konzentration von Partikeln in der Luft kontrolliert und begrenzt wird – etwa für die Halbleiter-, Pharma- oder Medizinprodukteherstellung. Manche Labore enthalten Reinraumbereiche, viele aber nicht.
| Merkmal | normales Labor | klassifizierter Bereich |
|---|---|---|
| Ziel | sicheres Arbeiten, Schutz von Personal und Proben | Begrenzung von Partikeln, teils auch Keimen |
| Grundlage | Arbeitsschutz, ggf. Bio- und Gentechnikrecht | Klassifizierung nach Normen und ggf. GMP-Regeln |
| Kleidung | Laborkittel, ggf. Schutzbrille, Handschuhe | spezielle Reinraumkleidung, Schleusen |
| Reinigung | nach Hygiene- und Sicherheitsplan | validierte Verfahren, festgelegte Mittel, Dokumentation |
Klassen im Überblick
Reine Bereiche werden nach der Partikelkonzentration in der Luft eingeteilt. International verbreitet ist die Klassifizierung nach DIN EN ISO 14644-1 mit den ISO-Klassen 1 bis 9, wobei ISO 1 die strengste ist. In der pharmazeutischen Herstellung in der EU verwendet der EU-GMP-Leitfaden zusätzlich die Reinheitsklassen A bis D, wobei A die höchsten Anforderungen stellt. Welche Klasse ein Bereich hat, legt der Betreiber fest; daraus ergeben sich unter anderem Reinigungsverfahren, Mittel und Häufigkeiten.
Für biologische Labore gibt es eine andere Einteilung, die mit Partikeln nichts zu tun hat: Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen werden nach der Biostoffverordnung in Schutzstufen 1 bis 4 eingeordnet, gentechnische Arbeiten nach der Gentechnik-Sicherheitsverordnung in Sicherheitsstufen S1 bis S4. Je höher die Stufe, desto strenger die Zugangs- und Hygieneregeln.
Grundprinzipien der Reinigung in kontrollierten Bereichen
Auch wenn die Details je nach Klasse sehr unterschiedlich sind, gibt es einige Grundsätze, die fast überall gelten:
- Von rein nach weniger rein: gearbeitet wird von den saubersten Zonen zu den weniger sauberen, damit Schmutz nicht verschleppt wird.
- Von oben nach unten: erst Decke und Wände (sofern vorgesehen), dann Arbeitsflächen, zuletzt der Boden.
- Keine Partikelquellen: fusselfreie Tücher, geeignete Mopps, keine Sprühnebel ohne Freigabe, keine normalen Staubsauger.
- Feste Mittel und Materialien: nur freigegebene Reinigungs- und Desinfektionsmittel, oft im Wechsel nach Plan.
- Schleusen und Kleidung: Reinigungspersonal durchläuft dieselben Schleusen und Kleidungsregeln wie alle anderen.
- Dokumentation: wer hat wann was womit gereinigt – lückenlos.
Der Unterschied zwischen Reinigen und Desinfizieren spielt dabei eine große Rolle. Grundlagen dazu finden Sie im Beitrag Reinigen oder desinfizieren, die richtige Anwendung beschreibt Flächendesinfektion richtig durchführen.
Das normale Labor: was zu beachten ist
In Laboren ohne Reinraumklassifizierung ist eine Reinigung durch einen externen Dienstleister häufig möglich – unter klaren Bedingungen. Der Betreiber legt fest, welche Bereiche betreten werden dürfen und welche Flächen gereinigt werden. In der Regel gilt:
| Fläche | Reinigungsdienst | Laborpersonal |
|---|---|---|
| Boden | ja, nach Freigabe | – |
| Arbeitsflächen, Laborbänke | meist nein oder nur leere, freigegebene Flächen | ja |
| Abzüge, Sicherheitswerkbänke | nein | ja |
| Geräte, Zentrifugen, Kühlschränke innen | nein | ja |
| Waschbecken, Augenduschen außen | nach Absprache | Funktionsprüfung |
| Abfall | nur Hausmüll | Labor- und Sonderabfälle |
| Fenster, Türen, Heizkörper | ja | – |
Proben, Chemikalien und Laborabfälle fasst die Reinigung nicht an. Verschüttete Substanzen werden nicht aufgewischt, sondern gemeldet – denn nur das Laborpersonal weiß, womit es zu tun hat. Hintergründe zu Chemikalien und Gefahrstoffen gibt der Ratgeber Chemikalien in der Reinigung sicher handhaben.
Was wir in Laborgebäuden übernehmen können
Laborgebäude bestehen zu einem großen Teil aus Bereichen, die keine besondere Reinheit verlangen: Büros, Besprechungsräume, Flure, Treppenhäuser, Sozialräume, Toiletten und Eingangsbereiche. Hier greift die normale Unterhaltsreinigung. In Laboren ohne Klassifizierung und mit niedriger Schutz- bzw. Sicherheitsstufe können wir nach Einweisung durch Ihr Personal Böden und freigegebene Flächen reinigen – immer nach Ihrem Hygieneplan und mit Ihren freigegebenen Mitteln.
Nicht übernehmen wir: klassifizierte Reinraumbereiche, Bereiche höherer Schutz- oder Sicherheitsstufen, Abzüge und Sicherheitswerkbänke, Geräte und den Umgang mit Laborabfällen. Wenn Sie für diese Bereiche einen Dienstleister suchen, empfehlen wir spezialisierte Anbieter mit entsprechender Qualifikation.
- „Wir haben ein Labor, also brauchen wir Spezialreinigung für klassifizierte Bereiche“ – nicht unbedingt, oft reicht ein guter Hygieneplan
- „Der Reinigungsdienst kann das Verschüttete schnell aufwischen“ – nein, das ist Sache des Laborpersonals
- normale Staubsauger in partikelsensiblen Bereichen
- Tücher und Mopps zwischen Labor und Toilette ohne Farbtrennung
- keine Einweisung für Vertretungskräfte
Kleidung, Schleusen und Verhalten
Wer einen kontrollierten Bereich betritt, trägt Schmutz und Partikel mit sich – über Haut, Haare, Kleidung und Schuhe. Deshalb gibt es Schleusen, in denen Kleidung gewechselt, Hände gewaschen oder desinfiziert und Schuhe gewechselt oder überzogen werden. Für Reinigungspersonal gilt dasselbe wie für alle anderen. In Laboren ohne besondere Klassifizierung reichen meist Laborkittel und gegebenenfalls Handschuhe; welche Ausrüstung nötig ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers.
Auch das Verhalten im Raum zählt. Ruhige, gleichmäßige Bewegungen wirbeln weniger auf als hektisches Arbeiten. Türen bleiben geschlossen, Materialien werden nicht auf dem Boden abgestellt. Essen, Trinken und Kosmetik sind in Laboren grundsätzlich tabu – für die Reinigung genauso wie für die Forschung.
Farbtrennung und Materialien
Auch in normalen Laboren empfiehlt sich eine konsequente Trennung der Reinigungsmaterialien. Ein Farbsystem sorgt dafür, dass Tücher aus dem Sanitärbereich nie im Labor landen. Für Laborbereiche werden oft eigene Wagen, Eimer und Mopps vorgehalten, die in diesen Räumen verbleiben. Mopps und Tücher werden nach jedem Einsatz aufbereitet.
Desinfektion im Labor
Ob und womit desinfiziert wird, legt der Hygieneplan des Labors fest. Die Wahl des Mittels hängt davon ab, gegen welche Erreger es wirken soll – ein Thema, das der Beitrag Desinfektionsmittel und ihr Wirkspektrum ausführlich erklärt. Für allgemeine Flächen in Laborgebäuden, etwa Türgriffe oder Sanitärräume, kann eine Desinfektionsreinigung sinnvoll sein, vor allem in Erkältungszeiten.
Wir klären gemeinsam, welche Bereiche wir übernehmen können und welche besser bei Spezialisten bleiben.
Kurz beantwortet
Reinigt Putzhelden Reinräume?
Nein, eine zertifizierte Reinigung klassifizierter Bereiche bieten wir nicht an. Wir übernehmen die allgemeinen Bereiche in Laborgebäuden und nach Absprache Böden in normalen Laboren niedriger Stufen. Für klassifizierte Bereiche empfehlen wir spezialisierte Anbieter.
Was ist der Unterschied zwischen ISO-Klassen und GMP-Klassen?
ISO-Klassen beschreiben die zulässige Partikelkonzentration in der Luft und werden branchenübergreifend verwendet. Die GMP-Klassen A bis D stammen aus dem EU-Leitfaden für die pharmazeutische Herstellung und berücksichtigen zusätzlich mikrobiologische Anforderungen. Details regeln die jeweiligen Normen und Leitfäden.
Darf eine Reinigungskraft Laborbänke abwischen?
Nur wenn der Betreiber das ausdrücklich freigibt und die Fläche leer ist. In den meisten Laboren reinigt das Laborpersonal seine Arbeitsflächen selbst, weil es weiß, welche Substanzen dort verwendet wurden.
Wer entsorgt Laborabfälle?
Laborabfälle werden vom Laborpersonal gesammelt und über die dafür vorgesehenen Entsorgungswege abgegeben. Die Reinigung entsorgt nur Hausmüll aus Büros, Fluren und Sozialräumen.
Brauchen Reinigungskräfte im Labor eine besondere Einweisung?
Ja, immer. Vor dem ersten Einsatz erklärt Ihr Personal, welche Bereiche betreten werden dürfen, welche Kleidung nötig ist, welche Flächen tabu sind und wie im Notfall zu handeln ist. Die Einweisung wird dokumentiert und bei Vertretungen wiederholt.
Woran erkenne ich, welchen Dienstleister ich brauche?
Entscheidend ist die Einstufung Ihrer Räume. Für Büros, Flure, Sozialräume und einfache Labore genügt meist eine erfahrene Gebäudereinigung mit guter Einweisung. Sobald Bereiche klassifiziert sind oder höhere Schutzstufen gelten, sollten Sie einen spezialisierten Anbieter mit nachgewiesener Qualifikation beauftragen. Ihre Qualitäts- oder Sicherheitsbeauftragten helfen bei der Abgrenzung.




