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Hygiene & Desinfektion

Flächendesinfektion richtig durchführen: Schritt für Schritt zur wirksamen Wischdesinfektion

Ein Desinfektionsmittel wirkt nur, wenn es richtig dosiert, gleichmäßig aufgetragen und lange genug auf der Fläche bleibt. Diese Anleitung zeigt, worauf es bei der Wischdesinfektion ankommt und welche Fehler die Wirkung zunichtemachen.

Flächendesinfektion richtig: Illustration eines hygienisch gereinigten Behandlungsraums mit Desinfektionsmittel

Wann desinfiziert wird – und wann nicht

Bevor es um das Wie geht, lohnt ein Blick auf das Ob. Desinfizieren heißt, die Zahl krankmachender Erreger auf einer Fläche so weit zu senken, dass keine Infektion mehr von ihr ausgehen kann. Das ist in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Laboren oder nach einem Magen-Darm-Ausbruch notwendig. In Büros, Wohnungen und den meisten Gewerberäumen genügt dagegen eine gründliche Reinigung, weil sie den Großteil der Keime mit dem Schmutz entfernt. Den grundsätzlichen Unterschied haben wir im Beitrag Reinigung oder Desinfektion erklärt.

In Einrichtungen, die desinfizieren müssen, ist die Flächendesinfektion neben der Händehygiene eine der wichtigsten Säulen des Infektionsschutzes. Man unterscheidet dabei drei Anlässe:

  • Routinemäßig bzw. prophylaktisch: Flächen werden nach festem Plan desinfiziert, weil dort regelmäßig mit Erregern zu rechnen ist, etwa Untersuchungsliegen.
  • Gezielt: bei erkennbarer Kontamination, zum Beispiel mit Blut, Erbrochenem oder Stuhl, oder wenn eine bestimmte Infektion bekannt ist.
  • Schlussdesinfektion: wenn ein Raum nach Entlassung oder Verlegung einer infizierten Person wieder freigegeben wird.

Wer in welchem Fall was tut, regelt der Hygieneplan der jeweiligen Einrichtung. Er wird von deren Leitung verantwortet; ein Reinigungsdienst setzt die Vorgaben um.

Das richtige Präparat auswählen

Die Wahl des Mittels richtet sich nach dem Erregerspektrum, das erfasst werden muss, und nach den Materialien. Im medizinischen Umfeld greift man üblicherweise zu Präparaten, die im Verzeichnis des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH) stehen. Dort stehen für jedes Mittel die geprüften Konzentrationen und die zugehörigen Einwirkzeiten. Muss ein Präparat auch gegen bestimmte Viren wirken, kommt es auf die Angabe zur Viruswirksamkeit an – mehr dazu im Beitrag über Wirkspektren von Desinfektionsmitteln.

Ebenso wichtig ist die Materialverträglichkeit. Alkoholische Mittel können Acrylglas spannungsrissig machen und manche Kunstleder austrocknen. Chlorabspaltende Präparate greifen bestimmte Metalle und Textilien an. Hersteller von Geräten und Möbeln geben häufig an, welche Wirkstoffe zulässig sind; diese Angaben sollten Sie vor dem Kauf abgleichen.

Schritt für Schritt: So gelingt die Wischdesinfektion

1. Schutz vorbereiten. Schutzhandschuhe, die gegen das Präparat beständig sind, gehören zur Grundausstattung. Die Betriebsanweisung und das Sicherheitsdatenblatt geben vor, ob weitere Schutzausrüstung nötig ist. Wie man mit Gefahrstoffen allgemein umgeht, beschreibt unser Beitrag zur Sicherheit bei Reinigungschemie.

2. Lösung exakt ansetzen. Zuerst das Wasser in den Eimer, dann das Konzentrat hinzugeben – so schäumt es weniger und die Dosierung stimmt. In der Regel wird kaltes Wasser verwendet, sofern der Hersteller nichts anderes angibt. Dosiert wird mit Messbecher, Dosierpumpe oder Dosieranlage, niemals nach Augenmaß.

3. Grobe Verschmutzung zuerst entfernen. Sichtbare organische Rückstände wie Blut oder Sekrete werden vorab mit einem in Desinfektionslösung getränkten Einmaltuch aufgenommen und entsorgt. Erst danach wird die Fläche desinfiziert. Eiweiß und Schmutz können die Wirkung vieler Präparate sonst deutlich abschwächen.

4. Mit Druck und ausreichend Flüssigkeit wischen. Die Fläche wird vollständig und gleichmäßig benetzt. Die mechanische Komponente – das Wischen mit leichtem Druck – ist ein wesentlicher Teil der Wirkung. Die Fläche wird anschließend nicht trockengerieben.

5. Tücher konsequent wechseln. Ein Tuch pro Fläche bzw. Raum, und benutzte Tücher kommen nie zurück in die Lösung. Sonst wird der Eimer selbst zum Keimreservoir.

6. Einwirkzeit und Antrocknung beachten. Nach den KRINKO-Empfehlungen kann eine Fläche bei der routinemäßigen Desinfektion wieder genutzt werden, sobald sie sichtbar trocken ist. Bei gezielten Maßnahmen, etwa bei Ausbrüchen, schreibt der Hygieneplan häufig vor, die vollständige Einwirkzeit des Präparats abzuwarten. Maßgeblich ist, was die Einrichtung festgelegt hat.

7. Dokumentieren. Datum, Uhrzeit, Bereich, Präparat und Kürzel – so ist nachvollziehbar, dass die Maßnahme stattgefunden hat.

Dosiertabelle für den Alltag

Prozentangaben auf dem Etikett beziehen sich auf die fertige Gebrauchslösung. Die Tabelle zeigt, wie viel Konzentrat Sie für gängige Mengen brauchen:

Konzentration 1 Liter Lösung 4 Liter Lösung 8 Liter Lösung
0,25 % 2,5 ml 10 ml 20 ml
0,5 % 5 ml 20 ml 40 ml
1 % 10 ml 40 ml 80 ml
2 % 20 ml 80 ml 160 ml

Die Wassermenge wird entsprechend reduziert, damit die Gesamtmenge stimmt. Welche Konzentration Sie wählen, hängt vom Präparat und der gewünschten Einwirkzeit ab: Häufig gilt, dass eine höhere Konzentration eine kürzere Einwirkzeit erlaubt. Beide Werte stehen als Paar in der Herstellerangabe bzw. in der VAH-Liste und dürfen nicht beliebig kombiniert werden. Wie man generell exakt abmisst, zeigt unser Artikel Reinigungsmittel genau dosieren.

Die richtige Reihenfolge im Raum

Innerhalb eines Raums gilt: von oben nach unten und vom Saubereren zum stärker Belasteten. Zuerst kommen häufig berührte Flächen wie Arbeitsplatten, Griffe und Geräteoberflächen an die Reihe, dann Möbel und Wandflächen im Greifbereich, zum Schluss der Fußboden. Den Boden wischt man vom entferntesten Winkel des Raums in Richtung Ausgang, damit niemand über die frisch behandelte Fläche laufen muss. Sanitärbereiche folgen immer zuletzt und bekommen eigene, farblich getrennte Tücher.

Elektronische Geräte wie Monitore, Bedienfelder oder medizinische Apparate werden nur mit Präparaten behandelt, die der Gerätehersteller freigibt, und niemals tropfnass. Hier sind vorgetränkte Tücher oft die bessere Wahl als ein Tuch aus dem Eimer, weil sich die Flüssigkeitsmenge besser kontrollieren lässt. Bei der Flächendesinfektion in Räumen mit vielen Geräten lohnt es sich, eine kurze Liste zu führen, welches Gerät welches Mittel verträgt.

Wischen statt sprühen

Sprühen wirkt bequem, hat aber Nachteile: Die Benetzung ist ungleichmäßig, ein Teil des Mittels geht als Nebel in die Atemluft, und die mechanische Wirkung fehlt. Die Fachempfehlungen sehen die Sprühdesinfektion deshalb nur dort vor, wo Wischen nicht möglich ist, etwa in schwer zugänglichen Spalten. Alkoholische Schnelldesinfektionsmittel eignen sich für kleine Flächen; großflächig ausgebracht erhöhen sie die Brand- und Explosionsgefahr und belasten die Raumluft.

Tuchspendersysteme richtig nutzen

Viele Einrichtungen arbeiten mit Eimern, in denen Vliestücher mit Desinfektionslösung getränkt werden. Das spart Zeit, setzt aber Disziplin voraus. Der Eimer wird vor jeder Neubefüllung nach Herstellerangabe aufbereitet, mit Präparat, Konzentration und Ansatzdatum beschriftet und nur bis zum angegebenen Ende der Standzeit genutzt. Nachfüllen einer angebrochenen Rolle ist tabu, weil sich in Resten Keime ansiedeln können, die das Mittel nicht mehr sicher abtötet.

Fehler, die die Wirkung aufheben
  • Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel gemischt – das kann die Wirkung aufheben, sofern es kein ausdrückliches Kombipräparat ist
  • Nach Gefühl dosiert oder „zur Sicherheit“ überdosiert
  • Tuch nach dem Wischen wieder in den Eimer getaucht
  • Fläche direkt nach dem Wischen trockengerieben
  • Angesetzte Lösung über Tage verwendet
  • Präparat ohne passende Viruswirksamkeit bei einem Ausbruch eingesetzt

Wie unsere Teams arbeiten

Bei Aufträgen, die eine Flächendesinfektion einschließen, arbeiten wir ausschließlich mit den Präparaten und Konzentrationen, die die Einrichtung freigegeben hat, oder schlagen geeignete Mittel zur Freigabe vor. Die Lösung wird zu Schichtbeginn frisch angesetzt, jeder Raum bekommt einen eigenen Wischbezug, und die Durchführung wird auf der Checkliste abgezeichnet. Unsere Desinfektionsreinigung in Berlin übernimmt auch anlassbezogene Einsätze, zum Beispiel nach einem Infektionsgeschehen, dann in enger Abstimmung mit der Einrichtung. Für Praxen bieten wir die laufende Betreuung als Praxisreinigung an.

Kurz beantwortet

Muss ich die volle Einwirkzeit abwarten, bevor die Fläche wieder genutzt wird?

Bei der routinemäßigen Desinfektion erlauben die KRINKO-Empfehlungen in der Regel die Nutzung, sobald die Fläche sichtbar trocken ist. Bei gezielten Maßnahmen oder Ausbrüchen legt der Hygieneplan oft fest, dass die volle Einwirkzeit abgewartet wird. Im Zweifel gilt die Vorgabe Ihrer Einrichtung.

Bis wann ist eine angemischte Desinfektionslösung verwendbar?

Das hängt vom Präparat ab und steht in der Herstellerangabe. Viele Einrichtungen setzen offene Eimerlösungen grundsätzlich täglich neu an. Bei Tuchspendersystemen gilt die angegebene Standzeit ab Ansatzdatum.

Reicht ein Desinfektionsspray aus dem Drogeriemarkt?

Für Einrichtungen mit Hygieneplan in der Regel nicht, weil dort Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit für den jeweiligen Zweck verlangt werden, meist VAH-gelistete Mittel. Zudem ist Sprühen nur die zweite Wahl. Im Privathaushalt ist eine Desinfektion im Alltag meist gar nicht nötig.

Darf ich warmes Wasser zum Ansetzen nehmen?

Nur wenn der Hersteller das vorsieht. Bei vielen Präparaten wird kaltes Wasser empfohlen, weil warmes Wasser das Verdunsten von Wirkstoffen fördern und die Belastung der Atemluft erhöhen kann.

Was tun bei Blut auf dem Boden?

Zuerst das Material mit einem in Desinfektionslösung getränkten Einmaltuch aufnehmen und verwerfen, dabei Handschuhe tragen. Danach die Fläche wie gewohnt wischdesinfizieren. Das genaue Vorgehen steht im Hygieneplan der Einrichtung.

Redaktion Putzhelden

Unsere Ratgeber entstehen aus der täglichen Arbeit unserer Reinigungsteams in Berlin: Was sich in Büros, Praxen, Treppenhäusern und Wohnungen bewährt, schreiben wir verständlich auf. Rechtliche und steuerliche Hinweise ersetzen keine individuelle Beratung.

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