
Was die Praxis für Tiere besonders macht
Eine Tierarztpraxis hat vieles mit einer Arztpraxis gemeinsam: Wartebereich, Behandlungsräume, Labor, OP, Sterilisation. Doch einiges ist anders. Hunde und Katzen bringen Haare, Schmutz von Pfoten und Fell, Parasiten und manchmal Erreger mit, die für andere Tiere gefährlich sind. Aufgeregte oder kranke Tiere urinieren, erbrechen oder bluten. Und manche Krankheitserreger bei Tieren sind besonders widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und viele Desinfektionsmittel.
Hinzu kommen Gerüche, die Halterinnen und Halter sofort wahrnehmen, und die Frage, wie man verhindert, dass ein Tier im Wartezimmer von einem anderen etwas mitnimmt. Reinigung und Desinfektion sind hier kein Nebenthema, sondern Teil der Behandlung.
Hygieneplan als Grundlage
Wie in der Humanmedizin sollte jede Praxis einen Hygieneplan haben, der festlegt, welche Flächen wann wie gereinigt und desinfiziert werden, mit welchen Mitteln und durch wen. Wie ein solcher Plan grundsätzlich aufgebaut ist, sehen Sie in unserem Ratgeber So entsteht ein Hygieneplan für Praxen – die Struktur lässt sich gut übertragen. Für die Auswahl von Desinfektionsmitteln orientieren sich viele veterinärmedizinische Einrichtungen an der Desinfektionsmittelliste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG). Welche Mittel für Ihre Praxis geeignet sind, legt die Praxisleitung fest. Dieser Beitrag ist keine rechtliche oder fachliche Beratung, sondern ein praktischer Überblick.
Bereiche und Anforderungen
| Bereich | Risiko | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Eingang, Wartezimmer | viele Tiere, Schmutz, Haare, Urin | tägliche Reinigung, sofortige Beseitigung von Ausscheidungen, Desinfektion nach Plan |
| Anmeldung | Kontaktflächen, Kartenterminal | tägliche Reinigung, Kontaktflächen häufiger |
| Behandlungsräume | Körperflüssigkeiten, Kontakt Tier–Tisch | Tisch nach jedem Tier durch Team; Boden und Flächen täglich |
| Isolations- oder Quarantäneraum | ansteckende Tiere | eigene Materialien, Reinigung zuletzt, Desinfektion nach Plan |
| OP und Vorbereitung | hohe Hygieneanforderungen | nach OP-Plan, meist durch geschultes Praxispersonal |
| Stationäre Boxen | Urin, Kot, Futter | durch Praxisteam, Boden der Station durch Reinigung nach Absprache |
| Labor, Röntgen, Sterilisation | Geräte, Chemikalien | nur Boden und freigegebene Flächen |
| Personalräume, Sanitär | normale Nutzung | Unterhaltsreinigung |
Der Behandlungstisch wird nach jedem Tier vom Praxisteam gereinigt und desinfiziert. Das gilt auch für Waagen, Maulkörbe, Leinen und alles, was mit dem Tier in Kontakt kommt.
Widerstandsfähige Erreger im Blick
Einige Erreger, die in Tierarztpraxen eine Rolle spielen, sind unbehüllte Viren, zum Beispiel Parvoviren bei Hunden und Katzen. Sie überdauern in der Umgebung lange und werden von vielen Desinfektionsmitteln, die nur gegen behüllte Viren wirken, nicht zuverlässig erfasst. Wer mit solchen Fällen rechnet, braucht Mittel mit geeignetem Wirkspektrum und muss Einwirkzeiten strikt einhalten. Die Hintergründe erklärt unser Beitrag Desinfektionsmittel und ihr Wirkspektrum.
Nach Behandlungen von Tieren mit Verdacht auf ansteckende Krankheiten sollte der Raum nach einem festgelegten Verfahren gereinigt und desinfiziert werden, bevor das nächste Tier hineinkommt. Viele Praxen haben dafür einen gesonderten Behandlungsraum.
Reinigung vor Desinfektion
Solange Schmutz auf der Fläche liegt, erreicht das Desinfektionsmittel die Keime kaum. Urin, Kot, Blut und Erbrochenes werden deshalb zuerst mit Einmaltüchern aufgenommen, dann wird die Fläche gereinigt und anschließend desinfiziert. Dabei werden Handschuhe getragen, benutzte Tücher sofort entsorgt. Wie eine Flächendesinfektion korrekt durchgeführt wird, zeigt der Beitrag Flächendesinfektion richtig durchführen.
- Handschuhe anziehen, Tier und Halter ggf. umsetzen
- Ausscheidung mit Einmaltüchern oder Bindemittel aufnehmen
- Fläche reinigen, dann nach Plan desinfizieren
- Einwirkzeit abwarten, Bereich solange kennzeichnen
- Tücher und Handschuhe direkt entsorgen, Hände desinfizieren
Tierhaare und Gerüche
Tierhaare setzen sich überall ab: an Sitzflächen, in Ecken, an Heizkörpern, in Lüftungsgittern. Ein Sauger mit guter Filterung und eine glatte, fugenarme Einrichtung erleichtern die Arbeit. Sitzmöbel im Wartebereich sollten abwischbar sein; Stoffpolster sind in Tierarztpraxen eine Dauerbaustelle.
Gerüche entstehen vor allem durch Urin, der in Fugen oder porösen Böden einzieht. Normale Reiniger überdecken den Geruch nur kurz. Enzymatische Reiniger können organische Rückstände abbauen, eine gute Lüftung und dichte Bodenbeläge helfen dauerhaft. Vorsicht bei stark parfümierten Mitteln: Tiere haben einen feinen Geruchssinn, und viele Duftstoffe sind für sie unangenehm. Vertiefend dazu: unser Artikel über Gerüche dauerhaft neutralisieren.
Boden und Materialien
Viele Praxen haben Böden aus PVC, Linoleum, Kautschuk oder Fliesen, die sich gut reinigen und desinfizieren lassen. Fugen sind Schwachstellen, weil sich dort Urin und Schmutz festsetzen können. Eine regelmäßige Grundreinigung mit geeigneten Maschinen hält die Oberfläche geschlossen und verhindert, dass sich Keime in Poren sammeln.
Turnusplan
| Turnus | Praxisteam | Reinigung |
|---|---|---|
| nach jedem Tier | Tisch, Waage, Kontaktflächen reinigen und desinfizieren | – |
| sofort bei Bedarf | Ausscheidungen und Körperflüssigkeiten aufnehmen | – |
| täglich | OP und Sterilisation nach Plan | Böden aller Räume, Wartezimmer, Anmeldung, Türgriffe, Sanitär, Personalräume, Abfall |
| wöchentlich | Stationsboxen gründlich | Heizkörper, Sockelleisten, Stühle, Glas, Lüftungsgitter |
| monatlich / periodisch | Geräte nach Hersteller | Grundreinigung Böden, Fenster, Lampen, Hochflächen |
Die Aufteilung ist eine Orientierung. Welche Aufgaben die Reinigung übernimmt, legen wir gemeinsam im Leistungsverzeichnis fest.
Abfall aus der Praxis
In Tierarztpraxen fallen verschiedene Abfallarten an: normaler Hausmüll, Verpackungen, aber auch spitze und scharfe Gegenstände, Abfälle mit Blut oder Körperflüssigkeiten und in manchen Fällen Tierkörper. Spitze Gegenstände gehören in durchstichsichere Behälter, die das Praxisteam verschließt. Die Reinigung entsorgt nur den vereinbarten Hausmüll; alles andere läuft über die Entsorgungswege der Praxis.
- Desinfektion auf ungereinigten Flächen
- dasselbe Tuch für Behandlungsraum und Wartezimmer
- stark parfümierte Reiniger, die Tiere stressen
- Einwirkzeiten werden nicht eingehalten
- Isolationsraum wird zuerst statt zuletzt gereinigt
Schutz für alle, die reinigen
Manche Erreger, die in einer Kleintierpraxis vorkommen, können auch Menschen anstecken – etwa Hautpilze oder bestimmte Darmbakterien. Wer dort reinigt, arbeitet deshalb mit biologischen Arbeitsstoffen im Sinne der Biostoffverordnung. Der Arbeitgeber des Reinigungsteams muss die Gefährdung beurteilen und daraus Schutzmaßnahmen ableiten; die Praxis informiert über Besonderheiten im eigenen Betrieb.
In der Praxis bedeutet das: flüssigkeitsdichte Handschuhe bei allen Arbeiten mit möglichem Kontakt zu Ausscheidungen, bei Bedarf eine Schürze oder ein Schutzkittel, konsequente Händehygiene nach dem Ablegen der Handschuhe und ein Hautschutzplan für die häufig feuchten Hände. Essen, Trinken und Rauchen haben in den Arbeitsbereichen nichts zu suchen. Unsere Teams werden vor dem ersten Einsatz in die Abläufe der jeweiligen Praxis eingewiesen.
Absprachen im Praxisalltag
Die beste Reinigung nützt wenig, wenn das Team nicht weiß, was tagsüber passiert ist. Bewährt hat sich ein kurzes Übergabeblatt oder ein digitales Protokoll, in dem das Praxisteam festhält, in welchen Räumen Tiere mit Verdacht auf ansteckende Erkrankungen behandelt wurden, wo es größere Verunreinigungen gab und welche Bereiche heute nicht betreten werden sollen. Umgekehrt meldet das Reinigungsteam Auffälligkeiten zurück, etwa leere Seifenspender, beschädigte Bodenbeläge oder Gerüche, deren Ursache nicht zu finden war.
Praxen mit Notdienst oder Klinikbetrieb rund um die Uhr haben keine echte Ruhezeit. Hier wird die Reinigung in Zeitfenster gelegt, in denen erfahrungsgemäß wenig los ist, und Bereiche werden nacheinander freigegeben. Ein fester Ansprechpartner auf beiden Seiten macht diese Abstimmung deutlich einfacher.
Wer übernimmt die Reinigung?
Die Reinigung und Desinfektion am Tier und im OP bleibt in der Regel beim geschulten Praxisteam. Alles andere – Böden, Wartezimmer, Anmeldung, Sanitär, Personalräume, Glas und periodische Grundreinigungen – übernehmen wir gern. Bei der Praxisreinigung arbeiten unsere Teams nach Ihrem Hygieneplan, mit Farbtrennung und dokumentierten Checklisten. Für gezielte Desinfektionseinsätze, etwa nach einem Infektionsfall, bietet sich die Desinfektionsreinigung an – nach Verfügbarkeit auch kurzfristig.
Wir stimmen den Reinigungsplan mit Ihrem Hygieneplan ab – kostenlose Besichtigung inklusive.
Häufige Fragen
Welche Desinfektionsmittel sind in Tierarztpraxen üblich?
Viele Praxen orientieren sich an der Desinfektionsmittelliste der DVG. Welche Mittel eingesetzt werden, legt die Praxisleitung im Hygieneplan fest. Wir verwenden die freigegebenen Mittel oder stimmen Alternativen vorab ab.
Wie werden Urinflecken und Gerüche dauerhaft entfernt?
Zuerst aufnehmen, dann reinigen und bei Bedarf desinfizieren. Gegen eingezogene Gerüche helfen enzymatische Reiniger, die organische Rückstände abbauen. Poröse Fugen oder Böden sollten langfristig saniert oder versiegelt werden.
Reinigen Sie auch den OP?
Die Reinigung im OP übernimmt in den meisten Praxen das geschulte Praxispersonal nach eigenem Plan. Den Boden des OP können wir nach Einweisung und Freigabe übernehmen, wenn Sie das wünschen.
Wann sollte der Isolationsraum gereinigt werden?
Immer zuletzt, mit eigenen Materialien, die dort verbleiben oder direkt aufbereitet werden. So verhindern Sie, dass Erreger in andere Räume getragen werden.
Wie oft braucht das Wartezimmer eine Reinigung?
Mindestens täglich gründlich, dazu sofort bei Ausscheidungen. In stark frequentierten Praxen kann eine zusätzliche Runde zur Mittagszeit sinnvoll sein.




