
Zuhause und Einrichtung zugleich
In einem Pflegeheim leben Menschen oft über Jahre. Ihr Zimmer ist ihr Zuhause, mit Fotos, Lieblingssessel und persönlichen Dingen. Gleichzeitig ist das Haus eine Einrichtung, in der viele ältere, teils schwer kranke Menschen mit geschwächtem Immunsystem zusammenleben. Wunden, Katheter, Inkontinenz und häufige Krankenhausaufenthalte erhöhen das Risiko, dass sich Infektionen ausbreiten oder resistente Erreger eingetragen werden.
Die Reinigung muss beiden Seiten gerecht werden. Sie soll hygienisch zuverlässig sein, darf sich aber nicht anfühlen wie in einer Klinik. Wer dort arbeitet, klopft an, bevor er ein Zimmer betritt, räumt persönliche Gegenstände nicht eigenmächtig um und nimmt sich einen Moment Zeit für ein freundliches Wort. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist das tägliche Erscheinen des Reinigungsteams ein fester Bestandteil ihres Tages.
Rahmen und Verantwortung
Voll- und teilstationäre Einrichtungen für ältere, pflegebedürftige oder behinderte Menschen müssen nach § 36 des Infektionsschutzgesetzes in Hygieneplänen festhalten, wie sie intern Infektionen vorbeugen, und unterliegen der Überwachung durch das Gesundheitsamt. Fachlich orientieren sich viele Häuser unter anderem an dem, was die KRINKO – die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention – zur Infektionsprävention in Heimen empfiehlt. Daneben prüft die Heimaufsicht die Qualität der Betreuung. Diese Übersicht ist keine Rechtsberatung.
Verantwortlich für Hygieneplan und Umsetzung ist die Einrichtungsleitung, meist unterstützt durch Hygienebeauftragte in der Pflege. Ein Reinigungsdienst setzt die ihm übertragenen Aufgaben um, dokumentiert sie und gibt Beobachtungen weiter, etwa wenn in einem Zimmer auffällig viel Verschmutzung anfällt oder ein Hilfsmittel beschädigt ist.
Die Bereiche und ihre Anforderungen
| Bereich | Übliches Intervall | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bewohnerzimmer | täglich Sichtreinigung, Kontaktflächen und Sanitär; Boden nach Plan | Privatsphäre wahren; Nachttisch, Rufschalter, Griffe und Bettgestell nach Absprache mit der Pflege |
| Bewohnerbäder | täglich | Haltegriffe, Duschstühle, Toilettensitzerhöhungen; Desinfektion nach Plan |
| Pflegebad | nach jeder Nutzung durch die Pflege, gründlich täglich | Wannenlifter, Hebehilfen, rutschhemmende Böden |
| Pflegearbeitsraum unrein | täglich | Geräte zur Aufbereitung von Steckbecken bedient die Pflege; wir reinigen Flächen und Boden |
| Pflegearbeitsraum rein | täglich | Lagerflächen für sauberes Material nicht mit Schmutztüchern berühren |
| Gemeinschaftsräume und Speisesaal | mehrmals täglich Tische, täglich Boden | Tische nach jeder Mahlzeit; Wohnküchen nach Lebensmittelhygieneregeln |
| Flure, Handläufe, Aufzüge | täglich, Handläufe mehrmals | viele Hände, viel Rollverkehr |
| Verwaltung, Personalräume | nach Plan | klassische Unterhaltsreinigung |
Die Intervalle sind Beispiele; verbindlich ist der Plan der Einrichtung. Besonders wichtig ist die Klärung, wer Hilfsmittel wie Rollstühle, Rollatoren und Toilettenstühle reinigt – hier entstehen die meisten Lücken, weil sich weder Pflege noch Reinigung zuständig fühlen.
Reinigung, Desinfektion und resistente Erreger
In den Wohnbereichen genügt für viele Flächen die gründliche Reinigung. Desinfiziert wird dort, wo es der Hygieneplan vorsieht: typischerweise in Sanitärbereichen, im unreinen Pflegearbeitsraum, bei Kontamination mit Ausscheidungen oder Blut und bei Bewohnern, für die besondere Maßnahmen festgelegt sind. Wie eine Wischdesinfektion korrekt abläuft, erläutert der Beitrag zur Flächendesinfektion.
Bei Bewohnerinnen und Bewohnern, die mit multiresistenten Erregern besiedelt sind, legt die Einrichtung fest, welche zusätzlichen Maßnahmen gelten. Für das Reinigungsteam bedeutet das meist: eigene Tücher und Wischbezüge für das Zimmer, Schutzkittel und Handschuhe nach Vorgabe, das Zimmer zuletzt in der Runde und eine konsequente Händedesinfektion beim Verlassen. Diagnosen oder Details brauchen wir dafür nicht, ein Hinweis auf die geltende Maßnahmenstufe reicht. Bei Magen-Darm-Ausbrüchen gelten eigene Regeln, die der Beitrag zum Norovirus beschreibt.
Sturzgefahr: nasse Böden sind ein echtes Risiko
Für ältere Menschen kann ein Sturz schwere Folgen haben. Nasse Böden sind deshalb in Heimen ein ernstes Thema. Unsere Teams arbeiten mit möglichst wenig Flüssigkeit, damit Flächen rasch abtrocknen, stellen Warnschilder auf und wischen breite Flure in zwei Hälften, sodass immer ein trockener Laufweg bleibt. Bewohnerzimmer werden möglichst dann gewischt, wenn die Bewohnerin gerade beim Essen oder in einer Gruppenaktivität ist. Kabel von Maschinen liegen nie quer über dem Weg, und Reinigungswagen stehen so, dass sie Rollatoren nicht blockieren.
Demenz und sichere Aufbewahrung
Menschen mit Demenz erkennen Gefahren nicht immer. Eine bunte Flasche auf dem Reinigungswagen kann wie ein Getränk wirken. Deshalb gilt: Wagen werden nie unbeaufsichtigt stehen gelassen, Chemikalien befinden sich in abschließbaren Fächern, und Mittel werden nur in Originalgebinden oder eindeutig beschrifteten Sprühflaschen geführt. Auch Tücher und Handschuhe gehören nicht in Reichweite.
Für Menschen mit Demenz sind vertraute Gesichter wichtig. Weil wir mit festen Teams arbeiten, kennen die Mitarbeitenden die Bewohner, ihre Gewohnheiten und ihre Eigenheiten. Das schafft Ruhe – und die Bewohner lassen die Reinigung ihres Zimmers eher zu.
Gerüche richtig angehen
Geruch ist in der stationären Pflege ein häufiges Thema, besonders im Zusammenhang mit Inkontinenz. Duftsprays überdecken das Problem nur und können Menschen mit Atemwegserkrankungen belasten. Wirkungsvoll ist, die Ursache zu entfernen: Urinreste in Fugen, auf Bodenbelägen und an Toilettenstühlen, eingetrocknete Spritzer an Wandsockeln, verschmutzte Matratzenbezüge. Häufig hilft ein gezielter Termin für Fugen und Sockelleisten. Weitere Ansätze beschreibt der Beitrag zur Geruchsneutralisation.
Abstimmung mit dem Pflegealltag
Anders als im Büro wird im Heim rund um die Uhr gelebt. Die Reinigung findet deshalb überwiegend tagsüber statt und muss sich in den Takt der Pflege einfügen: nicht während der morgendlichen Grundpflege, nicht zu den Mahlzeiten im Speisesaal, nicht während der Mittagsruhe in den Zimmern. Bewährt hat sich ein fester Tagesplan pro Wohnbereich, den Pflegeleitung und Objektleitung gemeinsam erstellen und bei Bedarf anpassen.
Kurze tägliche Absprachen verhindern Missverständnisse: Welches Zimmer ist heute gesperrt? Wo hat es nachts einen Zwischenfall gegeben? Welche Bewohnerin möchte heute nicht gestört werden? Ein Übergabebuch im Stationszimmer oder eine kurze Meldung per Telefon genügen.
- Anklopfen, vorstellen, persönliche Gegenstände respektieren
- Arbeiten von sauber nach unsauber, Zimmer mit besonderen Maßnahmen zuletzt
- Farbsystem und frischer Wischbezug pro Zimmer
- Trockene Laufwege, Warnschilder, keine Stolperfallen
- Chemikalien stets gesichert, Wagen nie unbeaufsichtigt
- Rückmeldung an die Pflege bei Auffälligkeiten
Wann ein externer Dienstleister sinnvoll ist
Viele Häuser beschäftigen eigenes Hauswirtschaftspersonal, andere vergeben die Reinigung ganz oder teilweise. Ein externer Partner bietet sich an, wenn Personal knapp ist, wenn Urlaubs- und Krankheitsvertretung schwierig wird oder wenn Spezialaufgaben wie Grundreinigungen, Fensterreinigung oder anlassbezogene Desinfektionen anfallen. Unsere medizinische Reinigung ist auf Einrichtungen mit Hygieneplan ausgerichtet; für Ausbrüche und Schlussdesinfektionen gibt es die Desinfektionsreinigung. Verwaltungs- und Nebenbereiche übernehmen wir auch als klassische Unterhaltsreinigung. Sprechen Sie uns an, wir besichtigen Ihr Haus kostenlos und erstellen ein Angebot, das zu Ihrem Hygieneplan passt.
Häufige Fragen
Müssen Bewohnerzimmer täglich desinfiziert werden?
Normalerweise nicht komplett. Täglich gereinigt werden Kontaktflächen, Sanitärbereich und sichtbare Verschmutzungen. Desinfiziert wird, wo der Hygieneplan es vorsieht, etwa im Bad, bei Kontamination oder bei Bewohnern mit festgelegten Zusatzmaßnahmen.
Wie gehen Sie mit Bewohnern um, die keine Reinigung wünschen?
Wir respektieren das zunächst und versuchen es zu einem anderen Zeitpunkt erneut. Bleibt es dabei, informieren wir die Pflege, die gemeinsam mit dem Bewohner eine Lösung findet. Hygienisch notwendige Arbeiten sollten nicht dauerhaft ausfallen.
Wer reinigt Rollstühle und Rollatoren?
Das ist in jeder Einrichtung anders geregelt und sollte schriftlich festgelegt werden. Wir übernehmen die Reinigung von Hilfsmitteln gern, wenn sie im Leistungsumfang steht und die Präparate zum Material passen.
Erfahren Ihre Mitarbeitenden, welche Erkrankungen Bewohner haben?
Nein, das ist nicht nötig. Wir brauchen nur den Hinweis, welche Maßnahmen in einem Zimmer gelten. Diagnosen bleiben bei Pflege und Ärzten.
Wie lässt sich die Sturzgefahr beim Wischen reduzieren?
Mit wenig Flüssigkeit, halbseitigem Wischen breiter Flure, Warnschildern und einer Zeitplanung, die die Aktivitäten der Bewohner berücksichtigt. Rutschhemmende Bodenbeläge und eine passende Pflege, die keine glatten Filme hinterlässt, tragen ebenfalls dazu bei.




