
Stein ist nicht gleich Stein
Rotes, gelbes oder dunkel gebranntes Sichtmauerwerk gehört zu Berlin wie der Altbau mit Stuck. Man findet es an Fabriken und Gewerbehöfen aus der Gründerzeit, an Schulen, Kirchen, Bahnhöfen und Umspannwerken, am Roten Rathaus ebenso wie an vielen Wohnsiedlungen der 1920er-Jahre und an Nachkriegsbauten. Daneben prägen Natursteinfassaden, oft aus Sandstein oder Muschelkalk, die Repräsentationsbauten und manche Bürgerhäuser.
Für die Reinigung ist entscheidend, womit man es zu tun hat. Klinker im engeren Sinn sind bei so hohen Temperaturen gebrannt, dass ihr Gefüge nahezu dicht gesintert ist. Sie nehmen kaum Wasser auf und sind sehr widerstandsfähig. Normale Vormauerziegel sind poröser, saugen Wasser und Schmutz stärker auf und reagieren empfindlicher auf harte Verfahren. Natursteine unterscheiden sich noch stärker: Granit ist robust, Sandstein weich und je nach Bindung säureempfindlich, Kalkstein und Marmor werden von Säuren angelöst.
Die häufigsten Verschmutzungen
| Verschmutzung | Aussehen | Ursache | Grundansatz |
|---|---|---|---|
| Ruß und Staub | grauer bis schwarzer Film | Verkehr, früher Kohleheizungen | Heißwasser, Dampf, ggf. alkalischer Reiniger |
| Schwarze Krusten auf Naturstein | harte, dunkle Beläge an geschützten Stellen | Reaktion von Luftschadstoffen mit Kalk im Stein | behutsame Verfahren, oft Restaurierungsfall |
| Salzausblühungen | weißer, flaumiger Belag | Salze aus Mauerwerk und Mörtel wandern mit Feuchte nach außen | trocken abbürsten, Feuchtequelle klären |
| Kalkausblühungen, Kalksinter | weiße, harte Läufer, oft unter Fugen | Kalk aus Mörtel, an der Luft verfestigt | schwach saure Reiniger nach Vornässen, nicht auf Kalkstein |
| Zementschleier | grauer Schleier nach Bauarbeiten | Mörtel- und Zementreste | saurer Spezialreiniger, siehe Zementschleier entfernen |
| Grünbelag, Moos, Flechten | grüne, schwarze, gelbe Flecken | Feuchte, Schatten | mechanisch und biozid, siehe Grünbelag an Außenwänden |
| Rostflecken | braune Läufer | Eisenteile, Anker, Geländer | spezielle Rostentferner, materialabhängig |
| Farbe, Schmierereien | bunt | Sprühlack, Marker | Löser und Heißwasser, Strahlverfahren |
Salzausblühungen: nicht mit Wasser bekämpfen
Der weiße, flaumige Belag, der nach feuchten Perioden auf Ziegeln erscheint, besteht aus Salzen, die mit Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk an die Oberfläche wandern und dort auskristallisieren. Wer sie mit viel Wasser abwäscht, löst die Salze wieder an und spült einen Teil zurück in den Stein – beim nächsten Abtrocknen erscheinen sie erneut. Richtig ist, sie trocken abzubürsten und die Ursache der Feuchtigkeit zu klären: undichte Abdeckungen, defekte Rinnen, fehlende Abdichtung am Sockel oder aufsteigende Feuchte.
Die Verfahren
Wasser und Heißwasser mit geringem Druck
Die Grundlage fast jeder Steinreinigung. Heißes Wasser löst Ruß, Fett und organische Beläge deutlich besser als kaltes, ohne dass hoher Druck nötig ist. Bei gebrannten Steinen mit dichtem Gefüge lässt sich damit oft schon ein großer Teil der Verschmutzung entfernen.
Dampf
Heißdampf mit sehr geringem Druck arbeitet besonders schonend und eignet sich für empfindliche Oberflächen, Ornamente und Naturstein. Er ist langsamer, dafür materialfreundlich.
Chemische Reiniger
Alkalische Reiniger lösen Ruß und fettige Beläge, saure Reiniger lösen Kalk und Zement. Bei sauren Mitteln gilt auf Ziegeln eine eiserne Regel: Die Fläche wird vorher gründlich vorgenässt, damit der Reiniger nicht tief in Stein und Fugen eindringt, und danach intensiv nachgespült. Auf Kalkstein, Marmor und kalkgebundenem Sandstein sind Säuren tabu. Grundlagen zu Säuren und Laugen erklärt unser Beitrag zur Pflege von Naturstein.
Partikelstrahlen
Bei hartnäckigen Krusten und tief sitzender Verschmutzung kommen Niederdruck-Strahlverfahren mit feinen Granulaten zum Einsatz. Richtig eingestellt tragen sie nur die Schmutzschicht ab. Falsch eingestellt zerstören sie die Brennhaut der Ziegel – die dichte, glatte Oberfläche, die den Stein schützt. Ist sie einmal verloren, nimmt der Stein mehr Wasser auf und verschmutzt schneller. Solche Verfahren gehören nur in erfahrene Hände und immer nach einer Probefläche.
Kompressen
Für Flecken, eingelagerte Salze oder punktuelle Verfärbungen werden Kompressen aus saugfähigem Material mit einem Wirkstoff aufgetragen. Beim Trocknen ziehen sie die Verunreinigung aus dem Stein. Das ist ein Verfahren für Einzelstellen, nicht für ganze Flächen.
- Mit dem Hochdruckreiniger auf kurze Distanz über Fugen gehen: Mörtel wird ausgewaschen
- Säuren ohne Vornässen auf Ziegel geben oder auf Kalkstein verwenden
- Große Flächen ohne Probefläche behandeln
- Bei Frost oder direkter Sonne arbeiten
- Nach der Reinigung sofort imprägnieren, ohne dass die Wand trocken ist
Die Fugen: das schwächste Glied
Mörtelfugen sind weicher als die Steine und verwittern schneller. Bevor eine Wand gereinigt wird, sollte man sie auf ausgewaschene, rissige oder hohle Fugen prüfen. Werden solche Stellen nass gereinigt, dringt Wasser ins Mauerwerk ein und kann im Winter Frostschäden verursachen. Oft ist es sinnvoll, erst zu reinigen und dann fehlende Fugen durch einen Fachbetrieb erneuern zu lassen – in dieser Reihenfolge, damit der neue Mörtel nicht gleich wieder mit Reinigungsmitteln belastet wird.
Nach der Reinigung: schützen oder nicht?
Eine Hydrophobierung macht die Oberfläche wasserabweisend, bleibt aber offen für Wasserdampf. Sie kann sinnvoll sein, wenn eine stark bewitterte Wand immer wieder durchfeuchtet und schnell verschmutzt. Voraussetzung sind intakte Fugen, eine trockene Wand und keine Salzbelastung – sonst werden Feuchte und Salze eingeschlossen und können hinter der Oberfläche Schäden verursachen. Bei gefährdeten Erdgeschosszonen kommt zusätzlich ein Schutz gegen Schmierereien infrage. Denkmalgeschützte Gebäude brauchen für jede dieser Maßnahmen die Abstimmung mit der Denkmalbehörde.
Probeflächen richtig beurteilen
Eine Probefläche ist nur so aussagekräftig wie ihre Bewertung. Nasser Stein wirkt dunkler und satter als trockener, deshalb sollte das Ergebnis erst beurteilt werden, wenn die Fläche vollständig abgetrocknet ist – je nach Wetter und Material kann das einige Tage dauern. Vergleichen Sie die gereinigte Stelle mit einem unbehandelten Nachbarfeld und achten Sie nicht nur auf die Farbe: Sind die Fugen noch vollständig? Ist die Oberfläche des Klinkers glatt geblieben, oder fühlt sie sich rauer an als vorher? Haben sich Ränder oder Schleier gebildet? Fotos aus derselben Perspektive, vor und nach der Behandlung und bei ähnlichem Licht aufgenommen, erleichtern die Entscheidung.
Nachbarn, Gehweg und Abwasser
Eine Steinreinigung betrifft selten nur die eigene Wand. Sprühnebel kann auf Fenster, Autos und Pflanzen der Nachbarn gelangen, und auf dem Gehweg sammelt sich Schmutzwasser. Fenster, Türen und Beete werden deshalb abgedeckt, Passanten durch Absperrungen geschützt. Reinigungswasser mit gelöstem Schmutz und Reinigungsmitteln sollte nicht ungeprüft in Straßenabläufe laufen, weil diese je nach Kanalisation direkt in Gewässer führen können. Bei chemischen Verfahren wird das Wasser deshalb aufgefangen oder abgesaugt. Informieren Sie Mieter und Nachbarn frühzeitig über den Zeitraum der Arbeiten, damit Fenster geschlossen bleiben und Fahrzeuge umgeparkt werden können.
Wie wir vorgehen
Bei einer Anfrage zur Fassadenreinigung bestimmen wir zuerst Material, Zustand und Art der Verschmutzung. Dann legen wir eine Probefläche an, die Sie beurteilen können, bevor die ganze Wand behandelt wird. Für Stein im Außenbereich, etwa Treppen, Sockel und Mauern, setzen wir die gleichen Grundsätze bei der Steinreinigung ein. Farbschmierereien entfernt unsere Graffitientfernung mit abgestimmten Lösern. Für höhere Wände arbeiten wir mit Hubarbeitsbühnen; Hintergründe dazu im Beitrag über Hubsteiger, Seilzugang und Teleskopstange. Unsere Richtpreise für Ziegel- und Klinkerwände mit Heißwasser beginnen bei 8,50 € pro Quadratmeter netto, Naturstein kalkulieren wir nach Probefläche. Die Einzelheiten stehen unter Preise.
Häufige Fragen
Wird die Wand nach der Reinigung wieder wie neu?
Oft kommt die ursprüngliche Farbe weitgehend zurück. Alte Steine haben aber eine Patina, die zum Material gehört und nicht vollständig entfernt werden sollte. Ziel ist eine saubere, gleichmäßige Wand, nicht ein künstlich neues Aussehen.
Kann ich eine Ziegelwand mit dem Hochdruckreiniger reinigen?
Auf dichten, harten Steinen mit intakten Fugen und bei reduziertem Druck und ausreichendem Abstand ist das möglich. Bei weicheren Ziegeln, alten Fugen und Naturstein raten wir davon ab. Heißwasser mit geringem Druck ist fast immer die schonendere Wahl.
Warum kommen die weißen Flecken immer wieder?
Das sind meist Salzausblühungen, die mit Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk kommen. Solange die Feuchtequelle besteht, bilden sie sich neu. Die Ursache sollte ein Fachbetrieb für Bauwerksabdichtung oder ein Sachverständiger klären.
Braucht man für Natursteinfassaden eine Genehmigung?
Für die eigentliche Reinigung in aller Regel nicht, außer das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Dann muss jede Maßnahme mit der zuständigen Behörde abgestimmt werden. Für Bühnen auf öffentlichem Straßenland ist eine Erlaubnis des Bezirksamts nötig. Dies ist keine Rechtsberatung.
Wie oft sollte eine Steinfassade gereinigt werden?
Deutlich seltener als Glas: Viele Wände kommen zehn Jahre und länger ohne Reinigung aus. Sinnvoll ist eine regelmäßige Sichtkontrolle, damit Grünbelag, Ausblühungen oder Schäden an Fugen früh erkannt werden.




