
Das Prinzip in einem Satz
Reinwasser, also Wasser ohne gelöste Mineralien, trocknet ohne Rückstände – deshalb muss es nach der Reinigung nicht abgezogen werden, sondern kann auf der Scheibe abtrocknen.
Was so einfach klingt, hat weitreichende Folgen für die Arbeit. Normales Leitungswasser enthält Kalk, Magnesium, Salze und andere gelöste Stoffe. Lässt man es auf Glas antrocknen, bleiben diese Stoffe als weiße Ränder und Flecken zurück. Deshalb muss beim klassischen Fensterputz das Wasser mit dem Abzieher vollständig entfernt werden. Entmineralisiertes Wasser dagegen verdunstet spurlos. Das Team muss also nicht mehr jeden Quadratmeter Glas mit dem Abzieher erreichen, sondern nur noch mit einer Bürste – und die lässt sich an einer langen Stange führen.
Wie das Wasser aufbereitet wird
Die Aufbereitung erfolgt in der Regel in zwei oder drei Stufen:
- Vorfilter: Ein Sediment- und oft ein Aktivkohlefilter entfernen Partikel und Chlor, die die folgenden Stufen schädigen würden.
- Umkehrosmose: Das Wasser wird mit Druck durch eine sehr feine Membran gepresst. Sie hält den Großteil der gelösten Mineralien zurück. Übrig bleibt Konzentrat, das abgeleitet wird.
- Ionenaustauscher (Mischbettharz): Ein Harz bindet die verbliebenen Ionen. Das Ergebnis ist Reinwasser mit einem Gehalt an gelösten Stoffen nahe null.
Die Qualität wird mit einem Leitwert- oder TDS-Messgerät kontrolliert. TDS steht für „total dissolved solids“, also die Summe der gelösten Feststoffe. Für fleckenfreies Trocknen sollte der Wert nahe null liegen.
Für kleinere Einsätze gibt es auch reine Harzfilter ohne Osmose. Sie sind kompakt, verbrauchen sich aber bei hartem Wasser schnell. Das Berliner Leitungswasser ist in vielen Stadtteilen recht hart, sodass für größere Flächen eine Osmosestufe wirtschaftlicher ist.
Warum das Wasser so gut reinigt
Entmineralisiertes Wasser hat eine hohe Lösekraft. Weil es selbst keine gelösten Stoffe enthält, nimmt es Schmutz, Salze und Staub besonders leicht auf. Deshalb kommt das Verfahren meist ohne Reinigungsmittel aus. Das ist ein echter Vorteil für die Umwelt und für empfindliche Oberflächen: Es bleiben keine Tensidrückstände auf Glas, Rahmen oder Modulen, die neuen Schmutz anziehen würden.
Die Ausrüstung
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| Aufbereitungsanlage | Wasser filtern, Umkehrosmose, Ionenaustausch |
| Pumpe und Schlauch | Wasser zur Bürste transportieren |
| Teleskopstange aus Carbon oder Glasfaser | leicht und steif, verlängerbar für mehrere Stockwerke |
| Bürstenkopf mit Sprühdüsen | Schmutz lösen, gleichzeitig spülen |
| Leitwertmessgerät | Wasserqualität prüfen |
Die Stangen bestehen aus leichten Verbundwerkstoffen, damit sie auch ausgefahren noch zu führen sind. Mit ihnen lassen sich vom Boden aus je nach Modell und Gegebenheiten Fenster bis in das vierte oder fünfte Stockwerk erreichen. Je länger die Stange, desto mehr Erfahrung braucht es, sie sicher und präzise zu führen.
So läuft die Reinigung ab
- Rahmen und Scheibe einbürsten: Die Bürste wird mit Wasserfluss über Rahmen und Glas geführt. Der Rahmen kommt zuerst, damit Schmutz nicht später auf das saubere Glas läuft.
- Glas reinigen: Mit gleichmäßigen Bewegungen wird die Scheibe abgebürstet, bis der Schmutz gelöst ist.
- Klarspülen: Die Bürste wird leicht von der Scheibe abgehoben, sodass nur noch Wasser über das Glas läuft. Dieser Schritt ist entscheidend: Das saubere Wasser spült den gelösten Schmutz ab.
- Abtrocknen lassen: Das Wasser verdunstet ohne Rückstände.
- Arbeiten vom Boden aus: weniger Leitern, weniger Absturzrisiko
- Keine Reinigungsmittel nötig
- Fleckenfreies Trocknen auch bei Sonne
- Rahmen werden automatisch mitgespült
- Große Flächen in kurzer Zeit
- Kein Betreten von Wohnungen oder Büros für die Außenseite
Klassischer Fensterputz und Stangenverfahren im Vergleich
| Kriterium | Einwascher und Abzieher | Stange mit aufbereitetem Wasser |
|---|---|---|
| Reichweite | Armlänge, Leiter oder Bühne | vom Boden aus mehrere Stockwerke |
| Reinigungsmittel | meist etwas Spülmittel oder Glasreiniger | in der Regel keine |
| Rahmen | separat von Hand | werden mitgespült |
| Ergebnis bei Sonne | Gefahr von Schlieren | fleckenfrei |
| Innenflächen | ideal | ungeeignet |
| Hartnäckige Rückstände | mit Klinge behandelbar | vorher separat entfernen |
| Wasserverbrauch | gering | höher, dafür ohne Chemie |
In der Praxis ergänzen sich beide Methoden. Die meisten gewerblichen Objekte reinigen wir außen mit der Stange und innen klassisch. Bei Privathaushalten entscheiden Zugang, Höhe und Wunsch.
Was vor einem Einsatz zu klären ist
Damit alles reibungslos läuft, stimmen wir vorab einige Punkte ab. Die Aufbereitungsanlage braucht einen Wasseranschluss mit ausreichendem Durchfluss, etwa einen Außenwasserhahn oder einen Anschluss im Keller. Viele Fahrzeuge führen zusätzlich einen Wassertank mit, sodass auch Objekte ohne Außenanschluss erreichbar sind. Außerdem sollten alle Fenster geschlossen sein, Markisen eingefahren und Gegenstände auf Fensterbänken außen entfernt. Bei Objekten an Gehwegen achten wir darauf, dass Passanten nicht durch ablaufendes Wasser oder den Schlauch behindert werden.
Die Grenzen des Verfahrens
Kein Verfahren ist für alles geeignet. Unsere Teams entscheiden an jedem Objekt neu:
- Innenflächen: Innen wäre das ablaufende Wasser auf Böden und Fensterbänken ein Problem. Hier arbeiten wir klassisch mit Einwascher und Abzieher.
- Starke Verschmutzung: Farbspritzer, Aufkleberreste, Baustaub oder Silikonreste lassen sich mit der Bürste nicht entfernen. Sie müssen vorher von Hand behandelt werden.
- Fettfilme: An Küchenfenstern oder in der Nähe von Gastronomie reicht Wasser allein oft nicht.
- Frost: Bei Minusgraden friert Wasser in den Leitungen und auf der Scheibe fest.
- Undichte Rahmen oder offene Lüftungsschlitze: Weil viel Wasser fließt, müssen Fenster geschlossen und dicht sein.
- Sehr hohe Fassaden: Ab einer gewissen Höhe werden Hubarbeitsbühne oder Seilzugang nötig, wie im Beitrag über Reinigung in der Höhe beschrieben.
Typische Einsatzorte
Das Verfahren eignet sich besonders für Außenflächen an Büro- und Gewerbegebäuden, Treppenhausfenster in Mehrfamilienhäusern, Glasanbauten, Vordächer und Solarmodule. Für Glasanbauten mit Dachflächen ist es ideal, weil das Dach nicht betreten werden muss. Auch bei der Reinigung von Solarmodulen ist entmineralisiertes Wasser Standard, weil es ohne Chemie und ohne Kalkflecken arbeitet.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Eine Hausverwaltung möchte die Außenseiten der Treppenhausfenster in einem viergeschossigen Altbau reinigen lassen. Die Fenster lassen sich zwar öffnen, aber die Außenseiten der oberen Flügel sind vom Treppenpodest aus nur mit gefährlichem Hinauslehnen erreichbar. Mit der Stange arbeitet das Team vom Hof aus, ohne dass jemand das Treppenhaus mit Leitern blockiert. Die Innenseiten werden im selben Termin klassisch gereinigt. Die Mieterinnen und Mieter bemerken vom Einsatz kaum etwas.
Ist das Wasser umweltfreundlich?
Das Verfahren kommt ohne Reinigungsmittel aus, was Abwasser und Boden entlastet. Andererseits entsteht bei der Umkehrosmose Konzentrat, das ungenutzt abfließt, und die Harzfilter müssen regelmäßig erneuert werden. Moderne Anlagen arbeiten deutlich sparsamer als ältere. Weitere Aspekte zum sparsamen Umgang mit Wasser finden Sie im Beitrag Wasser sparen bei der Reinigung.
So setzen wir es ein
Bei der Glasreinigung für Gewerbe gehört diese Technik zu unserer Standardausrüstung für Außenflächen. Bei Privathaushalten kombinieren wir sie im Rahmen der Fensterreinigung oft mit der klassischen Methode: außen mit Stange und aufbereitetem Wasser, innen mit Einwascher und Abzieher. So bekommen Sie das Beste aus beiden Verfahren.
Fragen aus der Praxis
Bleiben wirklich keine Flecken?
Wenn die Wasserqualität stimmt und gründlich klargespült wurde, nicht. Flecken entstehen meist, wenn der Filter erschöpft ist oder beim Klarspülen Stellen ausgelassen wurden. Deshalb messen unsere Teams die Wasserqualität regelmäßig.
Kann man das aufbereitete Wasser trinken?
Es ist nicht gesundheitsgefährlich, aber auch nicht zum Trinken gedacht. Es enthält keine Mineralien und wird in Schläuchen und Behältern transportiert, die nicht für Trinkwasser ausgelegt sind.
Wie viel Wasser wird verbraucht?
Der Verbrauch hängt von Anlage, Fläche und Verschmutzung ab und liegt höher als beim klassischen Fensterputz, weil gründlich gespült wird. Dafür kommt kein Reinigungsmittel ins Abwasser. Bei der Anfrage klären wir, ob ein Wasseranschluss am Objekt genutzt werden kann.
Werden die Rahmen dabei nass?
Ja, sie werden mitgespült und dabei auch gereinigt. Das Wasser trocknet auch auf den Rahmen ohne Rückstände ab. Bei stark verschmutzten Rahmen empfiehlt sich trotzdem gelegentlich eine Handreinigung.
Funktioniert das auch bei Sonne?
Ja, das ist einer der Vorteile. Weil keine Mineralien im Wasser sind, entstehen auch beim schnellen Trocknen keine Flecken. Bei sehr heißen Scheiben kann es aber sinnvoll sein, zuerst die Schattenseite zu reinigen.




