
Warum Staub für Sammlungen ein Risiko ist
Staub ist mehr als ein optisches Problem. Er enthält Fasern, Hautpartikel, Ruß und mineralische Teilchen, die auf empfindlichen Oberflächen wie Schleifpapier wirken können. Er bindet Feuchtigkeit, bietet Nahrung für Schädlinge und kann mit der Zeit Verfärbungen verursachen. Für ein Museum gehört eine gute Reinigung deshalb zur präventiven Konservierung – also zu allem, was Schäden an Objekten vorbeugt, bevor sie entstehen.
Gleichzeitig ist kaum ein Umfeld so sensibel. Ein unachtsamer Stoß mit dem Wischmopp, ein Sprühnebel in der Nähe eines Gemäldes oder falsche Chemie auf einem historischen Parkett können Schäden anrichten, die sich nicht rückgängig machen lassen. In Berlin mit seinen großen Häusern auf der Museumsinsel, zahllosen Galerien, Projekträumen und privaten Sammlungen ist die Bandbreite groß – die Grundregeln sind überall ähnlich.
Die wichtigste Regel: Objekte sind tabu
Die Reinigung berührt keine Kunstwerke, Exponate, Rahmen, Sockel mit Objekten oder Vitrineninnenräume. Das ist Aufgabe der Restaurierung und der Sammlungsbetreuung. Diese Regel gilt ohne Ausnahme, auch wenn sichtbar Staub auf einer Skulptur liegt. Stattdessen meldet das Reinigungsteam Auffälligkeiten: Staub, Insekten, Feuchtigkeit, lose Teile, veränderte Hängung.
| Bereich | zuständig |
|---|---|
| Kunstwerke, Exponate, Objektträger | Restaurierung / Sammlung |
| Vitrinen innen, Beleuchtung in Vitrinen | Restaurierung / Technik |
| Vitrinenglas außen | Reinigung, nach Einweisung |
| Böden, Sockelleisten, Bänke, Türen | Reinigung |
| Foyer, Kasse, Garderobe, Shop, Café | Reinigung |
| Toiletten, Treppenhäuser, Aufzüge | Reinigung |
| Depots und Werkstätten | nur nach gesonderter Absprache |
Arbeitszeiten und Abläufe
Die meisten Museen lassen außerhalb der Öffnungszeiten reinigen – frühmorgens vor Einlass oder abends nach Schließung. Das hat drei Vorteile: keine Besucher im Weg, ruhige Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, die Aufsicht oder Haustechnik einzubinden. Häufig ist die Reinigung an Alarm- und Schließzeiten gekoppelt; Zugänge, Schlüssel und Sicherheitsbereiche werden deshalb vorab genau geregelt.
Während der Öffnung übernimmt ein kleiner Tagdienst die Toiletten, das Foyer und bei Bedarf Verschüttetes im Café. In den Ausstellungsräumen wird tagsüber nur im Notfall eingegriffen, etwa wenn ein Getränk ausgelaufen ist – und dann mit trockenem Aufnehmen, nicht mit Wischwasser.
Werkzeuge und Mittel
| Aufgabe | geeignet | zu vermeiden |
|---|---|---|
| Böden in Ausstellungsräumen | Sauger mit Feinstfilter, nebelfeuchtes Wischen | Nasswischen, Scheuermaschinen nahe Objekten |
| Vitrinenglas außen | sehr leicht angefeuchtetes Mikrofasertuch, ggf. auf Tuch gesprühter Glasreiniger | Sprühen direkt auf die Scheibe, ammoniakhaltige Mittel nach Vorgabe des Hauses |
| Bänke, Handläufe | Neutralreiniger, gut ausgewrungenes Tuch | Silikon- oder Duftpflege |
| Sockelleisten, Türen | feuchtes Tuch | scharfe Mittel |
| Teppiche, Läufer | Sauger mit Feinstfilter | Nassverfahren ohne Absprache |
Grundsatz: Kein Mittel wird in Ausstellungsräumen versprüht. Sprühnebel verteilt sich unkontrolliert und kann sich auf Objekten niederschlagen. Wo überhaupt Mittel eingesetzt werden, trägt man sie aufs Tuch auf und niemals direkt aufs Objekt. Welche Tücher dafür taugen und wie sie gepflegt werden, beschreibt der Beitrag über Mikrofasertücher. Viele Häuser geben außerdem eine Liste zugelassener Produkte vor, die die Restaurierung geprüft hat. Daran halten wir uns.
Böden: von Parkett bis Terrazzo
Die Böden in Ausstellungshäusern reichen von historischem Parkett in Altbauten über Naturstein und Terrazzo bis zu versiegeltem Estrich in Galerien. Jeder Belag braucht seine eigene Pflege. Historisches Parkett wird nur nebelfeucht gewischt und in größeren Abständen gepflegt; Hinweise dazu stehen im Artikel über Parkett reinigen und pflegen. Für die Tiefenpflege kann die Parkettpflege während einer Umbauphase eingeplant werden, wenn keine Objekte im Raum sind.
Maschinelle Verfahren kommen nur in Bereichen ohne Objekte zum Einsatz, etwa im Foyer, in Fluren oder bei Ausstellungswechseln. In der Nähe von Sockeln und Wänden mit Gemälden wird von Hand gearbeitet, mit Abstand und ohne Kabel, über die man stolpern könnte.
Glas und Vitrinen
Vitrinen und Glasabtrennungen sind der Blickpunkt vieler Ausstellungen. Fingerabdrücke und Nasenabdrücke von Kindern gehören zum Alltag. Das Außenglas wird täglich kontrolliert und bei Bedarf gereinigt: mit sehr leicht angefeuchtetem Tuch, ohne Druck auf die Scheibe und ohne an Rahmen oder Dichtungen zu wischen. Für größere Glasfassaden, Oberlichter und Eingangsfronten übernimmt die Glasreinigung regelmäßige Termine. Grundsätzliche Tipps zu Glaswänden gibt der Beitrag über Glaswände und Glastüren.
Schädlingsmonitoring unterstützen
Viele Häuser arbeiten mit einem integrierten Schädlingsmanagement. Klebefallen oder Monitore stehen an festgelegten Stellen, um Motten, Käfer und Silberfischchen frühzeitig zu erkennen. Die Reinigung spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie entfernt Staub und Fasern, von denen sich Schädlinge ernähren, und meldet Funde. Die Fallen selbst werden nicht verschoben. Tote Insekten auf Fensterbänken werden nicht einfach weggewischt, sondern zunächst gemeldet – sie können für die Sammlungsbetreuung wertvolle Hinweise sein.
- Liste der tabu-Bereiche und Objekte, die nicht berührt werden
- freigegebene Reinigungsmittel und Tücher
- Wege mit Wagen und Geräten, Mindestabstände zu Objekten
- Umgang mit Alarm, Schlüsseln und Sicherheitsdienst
- Meldewege für Auffälligkeiten an Objekten und Fallen
Ausstellungswechsel und Eröffnungen
Zwischen zwei Ausstellungen werden Räume umgebaut: Wände gestrichen, Sockel gebaut, Beleuchtung neu gesetzt. Danach bleiben Baustaub, Farbspritzer und Verpackungsmaterial. Bevor die Objekte in den Raum kommen, sollte eine gründliche Reinigung stattfinden, denn Baustaub ist fein und setzt sich später auf allem ab. Nach der Vernissage mit vielen Gästen, Getränken und Häppchen folgt eine Nachreinigung – idealerweise noch in der Nacht, damit am nächsten Morgen regulär geöffnet werden kann.
Besucherbereiche: Foyer, Garderobe, Shop und Café
Die öffentlichen Bereiche außerhalb der Ausstellung werden ähnlich wie in anderen stark frequentierten Gebäuden gepflegt – mit einem Unterschied: Hier beginnt und endet der Besuch, und hier fällt Schmutz auf, bevor die Kunst wirken kann. Eingangsmatten fangen Straßenschmutz ab und verhindern, dass Sand in die Ausstellungsräume getragen wird, wo er Böden zerkratzt und aufgewirbelt wird. Garderobe und Schließfächer werden täglich gereinigt, Kinderwagen- und Rollstuhlbereiche nicht vergessen.
Das Café ist oft die Stelle, an der Lebensmittel und Ausstellung am nächsten zusammenkommen. Eine konsequente Trennung – kein Essen und Trinken in den Sälen, kurze Wege für Abfall aus dem Café nach draußen – schützt die Sammlung vor Schädlingen. Die Reinigung von Café und Küche folgt den üblichen Hygieneregeln für Gastronomie.
Galerien und kleine Häuser
Private Galerien haben selten eine eigene Restaurierung. Umso wichtiger ist es, die Regeln klar festzulegen: Welche Werke sind besonders empfindlich? Was darf die Reinigung berühren, was nicht? Wer entscheidet im Zweifel? In kleinen Räumen mit häufig wechselnden Ausstellungen hilft eine kurze schriftliche Übersicht, die bei jedem Wechsel aktualisiert wird.
Wer übernimmt die Pflege?
Bei der Gebäudereinigung für Kulturbetriebe arbeiten wir mit festen Teams, die Ihr Haus kennen, eingewiesen sind und sich an Ihre Vorgaben halten. Wir stimmen uns mit Restaurierung, Haustechnik und Sicherheitsdienst ab und dokumentieren unsere Arbeit mit Checklisten.
Wir besichtigen Ihr Haus und passen den Plan an Ihre Sammlung und Ihre Öffnungszeiten an.
Fragen aus der Praxis
Darf die Reinigung Staub von Bilderrahmen entfernen?
Nein, Rahmen gehören zum Objekt und werden nur von der Restaurierung oder nach deren ausdrücklicher Freigabe behandelt. Die Reinigung meldet, wenn sich sichtbar Staub angesammelt hat.
Welche Staubsauger eignen sich für Ausstellungsräume?
Leise Geräte mit Feinstfilter, damit kein Staub zurück in die Luft geblasen wird. Kabel werden so geführt, dass sie keine Sockel oder Objekte berühren. Akkugeräte sind in engen Räumen oft praktischer.
Wie oft sollte das Vitrinenglas gereinigt werden?
Außen täglich kontrollieren, bei Bedarf reinigen. In stark besuchten Häusern oder bei Kinderführungen kann auch mehrmals täglich nötig sein. Das Innenglas bleibt Sache der Restaurierung.
Können Sie auch Depots reinigen?
Depots sind besonders geschützte Bereiche. Eine Reinigung ist nur nach genauer Einweisung und unter Aufsicht der Sammlungsbetreuung sinnvoll. Wir besprechen das gerne im Einzelfall, übernehmen dort aber keine Arbeiten an Objekten oder Regalen mit Objekten.
Arbeiten Sie mit einer Liste zugelassener Mittel?
Ja, wenn Ihr Haus eine solche Liste führt, halten wir uns daran. Ohne Vorgaben schlagen wir schonende, möglichst geruchsneutrale Mittel vor und stimmen sie vor dem ersten Einsatz ab.




