
Zwei Werkstoffe, eine Familie
Fachleute fassen beide Beläge unter dem Begriff „elastische Bodenbeläge“ zusammen, weil sie weich unter dem Fuß nachgeben und als Bahnen oder Fliesen verlegt werden. Chemisch haben sie aber wenig gemeinsam.
Linoleum ist ein Naturprodukt. Es besteht im Wesentlichen aus oxidiertem Leinöl, Baumharzen, Holz- und Korkmehl, Kalksteinmehl und Farbpigmenten, aufgebracht auf ein Jutegewebe. Das Material ist langlebig, von Natur aus antistatisch und in Schulen, Kitas, Verwaltungsbauten und vielen Berliner Altbautreppenhäusern verbreitet.
PVC ist ein Kunststoffbelag aus Polyvinylchlorid mit Weichmachern, Füllstoffen und Pigmenten. Es gibt homogene Qualitäten, die durch und durch gleich aufgebaut sind, und heterogene mit bedruckter Dekorschicht unter einer transparenten Nutzschicht. Auch moderne Designböden (Vinyl-Planken) gehören in diese Familie – für sie haben wir einen eigenen Beitrag zu Vinyl- und Designböden.
So unterscheiden Sie die beiden Beläge
- Rückseite: Ein Blick unter eine Kante, etwa an einer Schwelle, zeigt beim Naturbelag häufig das typische Jutegewebe.
- Geruch: Ein frisch verlegter Naturbelag riecht leicht nach Leinöl.
- Musterung: Die klassische marmorierte, „wolkige“ Optik ist typisch für den Naturbelag, wird aber auch imitiert.
- Unterlagen: Bei Gewerbeobjekten stehen Produkt und Hersteller meist in der Baudokumentation oder im Leistungsverzeichnis.
Bleiben Zweifel, behandeln Sie den Boden wie den Naturbelag. Diese Pflege ist die vorsichtigere und schadet dem Kunststoff nicht.
Die entscheidende Materialfrage: pH-Wert und Lösemittel
Linoleum reagiert empfindlich auf stark alkalische Mittel. Hohe pH-Werte greifen das Leinölbindemittel an: Die Oberfläche wird spröde, rau und kann sich verfärben, in schweren Fällen löst sie sich regelrecht auf. Deshalb dürfen hier nur neutrale bis schwach alkalische Reiniger verwendet werden; die genaue Obergrenze nennt der Hersteller des Belags. Ebenso schädlich sind dauerhafte Nässe und zu heißes Wasser. Wie der pH-Wert von Reinigern einzuordnen ist, zeigt die Übersicht Säure, Lauge, neutral: pH-Werte im Putzschrank.
PVC ist gegenüber alkalischen Reinigern deutlich unempfindlicher, verträgt dafür keine Lösemittel wie Aceton, Nitroverdünnung oder bestimmte Fleckentferner. Sie lösen Weichmacher heraus oder greifen die Oberfläche an. Eine Eigenheit des Kunststoffs: Gummifüße, Gummimatten und bestimmte Rollen können durch Weichmacherwanderung dauerhafte gelbe oder braune Verfärbungen hinterlassen.
| Belag | Geeignete Mittel | Ungeeignete Mittel |
|---|---|---|
| Linoleum | Neutralreiniger, Wischpflege mit geringem Polymeranteil, linoleumgeeignete Grundreiniger | stark alkalische Grundreiniger, Schmierseife in hoher Dosierung, Ammoniak, Scheuerpulver, Dampf |
| PVC | Neutralreiniger, alkalische Unterhaltsreiniger, Grundreiniger für Kunststoffbeläge, Wischpflege | Aceton, Nitroverdünnung, Terpentin, lösemittelhaltige Fleckentferner, Gummiunterlagen |
| Beide mit werkseitiger PU-Vergütung | Neutralreiniger, vom Hersteller freigegebene Pflege | aggressives Scheuern, Pads mit starker Schleifwirkung |
Die tägliche und wöchentliche Pflege
Im Alltag unterscheidet sich die Routine kaum. Trockenreinigung mit Mopp oder Sauger entfernt Sand. Danach folgt Feuchtwischen mit einem Neutralreiniger oder einer Wischpflege. Wischpflegen enthalten neben Tensiden einen kleinen Anteil an Pflegestoffen, die bei jedem Durchgang eine hauchdünne Schicht ergänzen – so wird die Schutzschicht laufend erneuert, statt nur verbraucht.
Auf größeren Flächen arbeiten unsere Teams mit Scheuersaugmaschinen und weichen Pads. Die Maschine trägt die Lösung auf, bürstet und saugt die Schmutzflotte sofort wieder ab. Der Boden steht nie unter Wasser, was gerade für den Naturbelag wichtig ist.
Neuer Belag: Warum eine Einpflege sinnvoll ist
Viele Beläge kommen heute mit einer werkseitigen Oberflächenvergütung aus Polyurethan. Sie erleichtert die Pflege, ist aber keine Garantie gegen Abnutzung. Bei unvergüteten Belägen – und bei älteren Böden, deren Vergütung durchgelaufen ist – schützt eine Einpflege mit einer Polymerdispersion. Sie verschließt die Poren, macht den Boden unempfindlicher gegen Flecken und senkt den Aufwand in der täglichen Pflege.
Ein Hinweis zu frisch verlegtem Naturbelag: Er zeigt häufig einen gelblichen Schimmer, den sogenannten Reifungsschleier. Er entsteht durch die Oxidation des Leinöls und verschwindet unter Lichteinfluss von selbst. Er ist kein Schmutz und kein Grund für aggressive Reinigung.
Anleitung: Grundreinigung und Einpflege
- Raum freiräumen: Möbel entfernen, Stühle hochstellen, Türen und Sockelleisten abkleben, wenn nötig.
- Trockenreinigung: Gründlich saugen, Kanten und Ecken nicht vergessen.
- Grundreiniger ansetzen: Nur ein für den Belag freigegebenes Produkt, exakt dosiert. Beim Naturbelag unbedingt ein Produkt, das der Hersteller ausdrücklich dafür freigibt.
- Abschnittsweise auftragen: Etwa zehn bis fünfzehn Quadratmeter auf einmal, kurz einwirken lassen, aber nie antrocknen lassen.
- Maschinell schrubben: Einscheibenmaschine mit geeignetem Pad oder Scheuersaugmaschine; Ränder von Hand mit Pad bearbeiten.
- Schmutzflotte sofort aufnehmen: Mit Wassersauger oder direkt über die Scheuersaugmaschine.
- Klar nachwischen: Mindestens einmal, bei hartnäckigen Rückständen zweimal. Reste des Grundreinigers stören die spätere Haftung der Pflege.
- Vollständig trocknen lassen.
- Einpflege auftragen: Die Dispersion dünn und gleichmäßig mit einem sauberen Wischbezug auftragen, meist zwei Schichten, dazwischen die angegebene Trocknungszeit abwarten.
- Aushärten lassen: Nicht vorzeitig belasten, Möbel erst nach der vom Hersteller genannten Zeit zurückstellen.
- zu dicke Schichten, die milchig auftrocknen und abblättern
- Pflege auf einen nicht vollständig gereinigten Boden, sodass Schmutz eingeschlossen wird
- zu frühes Begehen, wodurch Schuhabdrücke in der Schicht bleiben
- stark alkalischer Kunststoff-Grundreiniger auf dem Naturbelag
Flecken und Spuren gezielt behandeln
| Verschmutzung | Naturbelag | Kunststoffbelag |
|---|---|---|
| Schwarze Absatzstriche | Pad mit Neutralreiniger, leicht reiben | Pad oder Radierschwamm mit wenig Druck |
| Kugelschreiber, Filzstift | etwas Spiritus auf einem Tuch, sofort nachwischen | Spiritus sparsam, keine Nitroverdünnung |
| Kleber- und Etikettenreste | vorsichtig mit Kunststoffspachtel, Reste mit Neutralreiniger | Spachtel, danach Neutralreiniger; Lösemittel nur nach Herstellerfreigabe |
| Rost von Möbelfüßen | nicht mit Säure, besser Fachfirma fragen | spezieller Rostentferner nach Test |
| Kaugummi | mit Kältespray hart werden lassen und abheben | ebenso |
Grundsätzlich gilt für beide Beläge: erst mechanisch und mit mildem Mittel versuchen, dann schrittweise steigern. Jedes neue Mittel an einer unauffälligen Stelle testen, etwa unter einem Heizkörper oder hinter einer Tür.
Wie Pflegefilme sich aufbauen
Wischpflegen legen mit jedem Durchgang ein wenig Polymer auf den Boden. Das ist gewollt, solange der Film gleichmäßig bleibt. In Randbereichen und Ecken, wo kaum jemand läuft, wird der Film aber nicht abgetragen und wächst über Jahre an. Er vergilbt, schließt Schmutz ein und wirkt fleckig. In den Laufwegen dagegen ist er abgelaufen. Das Ergebnis: dunkle Ränder, helle Straßen.
Deshalb gehört zu einer guten Bodenpflege auch die gelegentliche Zwischenreinigung, bei der ein Teil der obersten Pflegeschicht abgetragen und erneuert wird, ohne gleich bis auf den Belag hinunterzugehen. Das ist schonender und günstiger als eine vollständige Grundreinigung und hält den Aufbau im Gleichgewicht.
Besonderheiten in Schulen, Kitas und Treppenhäusern
In Bildungseinrichtungen ist der Naturbelag vielerorts Standard. Die Böden werden intensiv genutzt, die Reinigung muss aber in den Ferien oder außerhalb der Betreuungszeiten stattfinden, damit die Einpflege aushärten kann. Diese Planung ist ein fester Teil unserer Schulreinigung und der Kitareinigung.
In Altbautreppenhäusern liegt Linoleum oft auf Holzstufen, mit Metallkantenprofilen an der Vorderkante. Hier ist wenig Wasser besonders wichtig, weil Feuchtigkeit sonst in das Holz darunter zieht. Was bei Stufen aus Holz, Stein oder Kunststoff jeweils zu beachten ist, fasst unser Artikel über das Reinigen von Treppenstufen zusammen.
Wann eine Fachfirma sinnvoll ist
Eine Grundreinigung mit Einpflege auf großer Fläche verlangt Maschinen, passende Chemie und Erfahrung mit Trocknungszeiten. Wir übernehmen das als Grundreinigung mit anschließender Einpflege und stimmen den Zeitraum mit Ihnen ab, damit die Räume rechtzeitig wieder nutzbar sind. Für die laufende Pflege danach erstellen wir einen Plan im Rahmen der Bodenreinigung.
Häufige Fragen
Wie oft muss eingepflegt werden?
Das hängt von der Beanspruchung ab. In stark begangenen Fluren kann eine Auffrischung jährlich nötig sein, in wenig genutzten Räumen deutlich seltener. Mit regelmäßiger Wischpflege verlängern sich die Abstände.
Darf ich Linoleum mit Schmierseife wischen?
In niedriger Dosierung war das früher üblich, heute empfehlen die Hersteller meist Neutralreiniger oder Wischpflegen. Schmierseife ist alkalisch und baut bei Überdosierung eine klebrige Schicht auf, die Schmutz bindet.
Wie bekomme ich gelbe Flecken unter Gummimatten weg?
Auf Kunststoffbelägen sind Verfärbungen durch Weichmacherwanderung leider meist dauerhaft, weil der Farbstoff in den Belag eingewandert ist. Vorbeugen lässt sich mit Unterlagen ohne Gummi oder mit Filzgleitern. Auf dem Naturbelag hilft oft eine Grundreinigung mit neuer Einpflege.
Muss ein PU-vergüteter Boden eingepflegt werden?
Anfangs meist nicht. Die Vergütung schützt ab Werk. Erst wenn sie in den Laufwegen abgenutzt ist, bieten Hersteller spezielle Auffrischungen oder eine klassische Einpflege an. Folgen Sie hier den Pflegeanweisungen des Belagherstellers.
Kann ich Desinfektionsmittel auf diesen Böden einsetzen?
Ja, wenn das Mittel für den Belag freigegeben ist. Beim Naturbelag sind alkoholische oder stark alkalische Produkte kritisch, weshalb in Praxen und Kitas auf die Verträglichkeit geachtet werden muss.




