
Woraus Fugen bestehen
Bevor Sie zu Bürste und Reiniger greifen, lohnt ein kurzer Blick auf das Material. Die meisten Fliesen in Wohnungen und Büros sind mit zementären Fugenmörteln verfugt. Sie bestehen aus Zement, feinem Sand und Zusätzen, sind porös und saugen Flüssigkeit samt Schmutz auf. Ihre Achillesferse ist Säure: Sie greift das Bindemittel an, die Fuge wird rau, sandet ab und nimmt danach noch mehr Schmutz auf.
In gewerblichen Küchen, Laboren oder Schwimmbädern finden sich oft Epoxidharzfugen. Sie sind nahezu dicht, chemisch sehr beständig und leicht zu reinigen, verfärben sich aber bei falscher Pflege oberflächlich.
Die elastischen Fugen an Übergängen – zwischen Wand und Wanne, in Ecken, am Boden-Wand-Anschluss – bestehen meist aus Silikon. Das ist kein Fugenmörtel, sondern eine Wartungsfuge, die in regelmäßigen Abständen erneuert werden muss. Schimmel in Silikon ist ein eigenes Thema, das wir im Beitrag zu Schimmel in Silikonfugen behandeln.
Warum Fugen grau werden
- Seifenreste und Hautfett: Vor allem in der Dusche bildet sich aus Kalkseife und Körperpflegeprodukten ein grauer Film.
- Schmutzwasser: Beim Wischen mit schmutzigem Wasser laufen die gelösten Partikel genau in die tiefer liegenden Fugen und trocknen dort an.
- Pflegemittelreste: Überdosierte Reiniger mit Pflegezusätzen bilden klebrige Schichten, auf denen Staub hält.
- Fett: In Küchen setzen sich Fettpartikel ab und binden Schmutz.
- Kalk: In Bädern mit hartem Wasser lagert sich Kalk ab und schließt Verschmutzungen ein.
- Schimmel und Stockflecken: In schlecht belüfteten Bädern entstehen dunkle Punkte, meist zuerst an den unteren Fugen.
Mittel im Vergleich
| Mittel | Wirkung | Geeignet für | Achtung |
|---|---|---|---|
| Neutralreiniger | löst leichten Alltagsschmutz | tägliche Pflege | wirkt kaum auf alte Verfärbungen |
| Alkalischer Reiniger (Grundreiniger) | löst Fett, Seifenreste, Pflegefilme | Küchenböden, Duschen mit Seifenfilm | Handschuhe, gut nachspülen |
| Sauerstoffbleiche (Natriumpercarbonat) | hellt organische Verfärbungen auf | graue und fleckige Zementfugen | nicht auf farbigen Fugen ohne Test |
| Chlorhaltiger Schimmelentferner | bleicht und tötet Schimmel an der Oberfläche | Stockflecken in Zementfugen | nie mit sauren Mitteln mischen, gut lüften |
| Saurer Reiniger | löst Kalk und Zementschleier | dichte Epoxidfugen, sehr vorsichtig auch Zementfugen | Fugen vorher wässern, kurz einwirken lassen, auf Kalkstein tabu |
| Scheuermilch | mechanische Wirkung | einzelne Stellen auf glasierten Fliesen | kann Glasur und Fuge aufrauen |
Chlorhaltige Reiniger und Säuren (auch Essig oder Kalklöser) gehören niemals gemeinsam oder kurz hintereinander auf dieselbe Fläche, weil bei dieser Kombination gefährliches Chlorgas frei werden kann. Arbeiten Sie mit einem Mittel, spülen Sie gründlich mit Wasser nach und lüften Sie, bevor Sie ein anderes einsetzen.
Anleitung: Graue Zementfugen auffrischen
- Oberfläche vorreinigen: Boden oder Wand zuerst normal säubern, damit lose Verschmutzungen weg sind.
- Vorwässern: Die Fugen mit klarem Wasser anfeuchten. Nasse Fugen saugen weniger Reinigungsmittel auf, das schützt das Bindemittel.
- Reiniger auftragen: Für organische Verfärbungen eine Lösung aus Sauerstoffbleiche und warmem Wasser, für Fett und Seife einen alkalischen Reiniger. Mit Pinsel oder Sprühflasche direkt auf die Fugen.
- Einwirken lassen: Die angegebene Zeit abwarten, meist einige Minuten; nicht eintrocknen lassen.
- Schrubben: Mit einer schmalen Fugenbürste in Längsrichtung der Fuge arbeiten. Drahtbürsten sind tabu – sie reißen Material heraus und hinterlassen auf Fliesen Metallabrieb.
- Gelöstes aufnehmen: Mit einem Schwamm, Wassersauger oder feuchten Tuch.
- Klar nachspülen: Mindestens zweimal mit sauberem Wasser, damit keine Reste bleiben.
- Trocknen lassen und prüfen: Erst im trockenen Zustand zeigt sich, ob die Fuge gleichmäßig hell ist. Bei Bedarf einzelne Stellen wiederholen.
Bei großen Böden arbeiten unsere Teams mit einer Einscheibenmaschine und Bürsten statt Pads, weil Borsten in die vertieften Fugen hineinreichen. Die gelöste Schmutzflotte wird sofort abgesaugt.
Küche, Dusche, Flur: jede Zone hat ihren eigenen Schmutz
Die richtige Methode hängt stark davon ab, wo die Fliesen liegen.
Küchenboden: Hier dominieren Fett, Speisereste und Straßenschmutz. Das Fett verbindet sich mit Staub zu einem zähen Film, der sich in den tiefer liegenden Fliesenfugen sammelt. Ein alkalischer Reiniger ist die richtige Wahl, weil er Fett verseift und löst. Säure bringt hier nichts, weil sie Fett nicht angreift.
Dusche und Badboden: Kalk, Seifenreste und Hautfett bilden eine Mischung, die je nach Wasserhärte unterschiedlich aufgebaut ist. Häufig lohnt es sich, in zwei Schritten zu arbeiten: zuerst alkalisch gegen Seife und Fett, nach gründlichem Spülen vorsichtig gegen Kalk – aber nur, wenn weder Naturstein noch empfindliche Fugen betroffen sind.
Flur und Eingang: Hier ist es vor allem Sand, Split und Straßenschmutz, der mit dem Wischwasser in die Fugen gespült wird. Häufigeres Saugen vor dem Wischen und frisches Wasser beim Wischen bringen mehr als jeder Spezialreiniger.
Wandfliesen: Sie sind weniger belastet als Böden, in Küchen aber oft von einem feinen Fettfilm überzogen. Hier wird von unten nach oben eingesprüht, damit keine Laufspuren entstehen, und von oben nach unten abgewischt.
Wer diese Unterschiede berücksichtigt, bekommt Fliesenfugen meist mit weniger Chemie und weniger Kraftaufwand sauber, weil das Mittel zur Verschmutzung passt.
Dampfreiniger: nützlich, aber kein Wundermittel
Ein Dampfreiniger mit Punktstrahldüse löst Fett und Seifenreste aus Zementfugen gut, weil Hitze und Druck in die Poren wirken. Er ist eine gute Ergänzung zur Bürste, ersetzt sie aber nicht. Bei Fugen, die bereits sanden oder bröckeln, sollte kein Dampf eingesetzt werden. Auch Silikonfugen und empfindliche Natursteinfliesen sind keine Zielflächen für den Punktstrahl.
Wenn Reinigung nicht mehr reicht
Manchmal ist der Fugenmörtel selbst geschädigt: ausgewaschen, mürbe, mit Rissen oder tiefer Verfärbung. Dann hilft nur das Auskratzen und Neuverfugen, eine Arbeit für Fliesenleger. Eine Zwischenlösung ist Fugenfarbe, die auf gereinigte, trockene Fugen aufgetragen wird. Sie überdeckt Verfärbungen, hält aber nicht ewig und ist in Duschen stark belastet.
Schutz nach der Reinigung
Frisch gereinigte, vollständig trockene Zementfugen lassen sich mit einer Fugenimprägnierung behandeln. Sie dringt in die Poren ein und reduziert das Eindringen von Schmutz und Wasser. Die Behandlung wird mit einem feinen Pinsel direkt auf die Fugen aufgetragen; was auf die Fliese gelangt, sofort abwischen. Die Wirkung lässt mit der Zeit nach und sollte dann wiederholt werden.
- Beim Wischen das Wasser häufiger wechseln, besonders in Küche und Flur
- Die Dusche nach jeder Nutzung mit dem Abzieher abziehen
- Reiniger sparsam dosieren und gelegentlich nur mit klarem Wasser wischen
- Bad nach dem Duschen stoßlüften
- Fettspritzer in der Küche am selben Tag entfernen
Besonderheiten bei Natursteinfliesen
Fliesen aus Marmor, Travertin oder Kalkstein machen die Sache heikel: Mittel, die der Fuge nicht schaden würden, können den Stein angreifen. Hier sind saure Reiniger tabu, und auch Sauerstoffbleiche sollte vorher getestet werden. Die Hinweise im Beitrag Naturstein richtig pflegen gelten dann für die gesamte Fläche.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Große Flächen, stark verschmutzte Gastronomieküchen, Sanitäranlagen in Büros oder die Aufbereitung einer Wohnung vor der Übergabe sind klassische Fälle für eine Fachfirma. Wir setzen dort Maschinen, passende Chemie und Wassersauger ein – ob als Grundreinigung oder als Teil der regelmäßigen Sanitärreinigung. Im Privathaushalt lassen sich die Fugen auch in eine gründliche Wohnungsreinigung einbeziehen.
Häufige Fragen
Hilft Backpulver oder Natron bei grauen Fugen?
Als leichtes Scheuermittel kann eine Paste aus Natron und Wasser oberflächlichen Schmutz lösen. Gegen tiefere Verfärbungen wirkt sie aber kaum. Sauerstoffbleiche oder ein alkalischer Reiniger sind deutlich effektiver.
Darf ich Fugen mit Essig reinigen?
Auf zementären Fugen sollte Essig allenfalls stark verdünnt, auf vorgewässerte Fugen und nur gelegentlich verwendet werden, weil die Säure das Bindemittel angreift. Auf Natursteinfliesen ist er tabu. Gegen Kalk in der Dusche gibt es schonendere Wege.
Wie oft sollten Fugen gründlich gereinigt werden?
Im Bad und in der Küche genügt meist eine gründliche Fugenpflege alle paar Monate, wenn im Alltag richtig gewischt wird. In gewerblichen Küchen und öffentlichen Sanitärräumen gehört sie in einen festen Turnus.
Was tun gegen Schimmel in den Fugen?
Oberflächliche Stockflecken lassen sich mit einem geeigneten Schimmelentferner behandeln. Kommt der Befall immer wieder oder ist er großflächig, liegt die Ursache oft in Feuchtigkeit oder mangelnder Lüftung. Dann sollte die Ursache geklärt werden, gegebenenfalls mit einer fachgerechten Schimmelentfernung.



