
Mehr als eine Frage der Ordnung
In vielen Büros steht unter jedem Schreibtisch ein kleiner Papierkorb mit Plastikbeutel, in der Teeküche ein Mülleimer für alles. Was darin landet, ist bunt gemischt: Joghurtbecher, Ausdrucke, Kaffeesatz, Batterien, Folien. Abends leert die Reinigungskraft alles in einen großen Sack, der im Restmüll endet. Das ist bequem, aber teuer, ökologisch fragwürdig und für gewerbliche Betriebe in dieser Form in der Regel auch nicht zulässig.
Eine durchdachte Abfalltrennung beginnt nicht mit bunten Behältern, sondern mit der Frage, welche Abfälle in welcher Menge wo anfallen. Erst dann lässt sich entscheiden, wie viele Sammelstellen gebraucht werden, wer sie leert und wohin die Fraktionen gebracht werden.
Was das Gewerbeabfallrecht verlangt
Für Betriebe gilt in Deutschland die Gewerbeabfallverordnung. Sie verpflichtet Erzeuger gewerblicher Siedlungsabfälle, bestimmte Fraktionen getrennt zu sammeln und zu verwerten – darunter Papier, Pappe und Karton, Glas, Kunststoffe, Metalle, Holz, Textilien und Bioabfälle. Die getrennte Sammlung ist zu dokumentieren, etwa mit Lageplänen der Behälter, Fotos und Nachweisen der Entsorger. Ausnahmen sind möglich, wenn eine Trennung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist; auch das muss begründet und dokumentiert werden. Zusätzlich müssen Gewerbebetriebe in der Regel mindestens einen Restabfallbehälter des öffentlich-rechtlichen Entsorgers nutzen.
Für Elektrogeräte, Batterien, Leuchtmittel und Tonerkartuschen gibt es eigene Rücknahme- und Sammelwege; sie gehören nie in den Restmüll. Unterlagen mit personenbezogenen Daten müssen datenschutzgerecht vernichtet werden.
Diese Übersicht soll Ihnen Orientierung geben, ersetzt aber keine Rechtsberatung. Einzelheiten, etwa zu Mengen, Ausnahmen oder Dokumentation, klären Sie am besten mit Ihrem Entsorger.
Vermeiden kommt zuerst
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz legt eine Rangfolge fest: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, Beseitigung. Übertragen auf das Büro heißt das: Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht. Einige naheliegende Ansätze:
- Mehrweggeschirr und Spülmaschine statt Einwegbecher
- Wasserspender oder Leitungswasser statt Einwegflaschen
- Doppelseitiger Druck als Standard, Ausdrucke nur bei Bedarf
- Nachfüllbare Stifte, Toner-Rücknahme
- Weniger Müllbeutel: In Papierbehältern ist oft kein Beutel nötig
Sammelinseln statt Eimer unter jedem Tisch
Ein Konzept, das sich in vielen Büros bewährt hat, sind zentrale Sammelstationen. Statt vieler kleiner Papierkörbe gibt es auf jeder Etage wenige, gut erreichbare Stationen mit klar beschrifteten Behältern. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Die Trennung wird sichtbar und für alle nachvollziehbar.
- Es werden deutlich weniger Müllbeutel verbraucht.
- Die Reinigungskräfte leeren wenige Stationen statt Dutzender Einzelbehälter – das spart Zeit, die in andere Aufgaben fließen kann.
- Geruch und Ungeziefer werden seltener, weil Speisereste nicht in Papierkörben am Arbeitsplatz landen.
Anfangs gibt es erfahrungsgemäß Widerstand, weil der Weg zur Station ein paar Schritte länger ist. Nach wenigen Wochen hat sich das meist erledigt, besonders wenn der persönliche Papierkorb für Papier erhalten bleibt.
Welche Fraktion wohin
| Bereich | Typische Abfälle | Sinnvolle Behälter |
|---|---|---|
| Arbeitsplatz | Papier, Notizzettel, gelegentlich Verpackung | Papierkorb ohne Beutel, Verpackung zur Station |
| Etagenstation | Papier, Leichtverpackungen, Restmüll | drei Behälter, eindeutig beschriftet |
| Teeküche | Speisereste, Kaffeesatz, Teebeutel, Verpackungen, Glas | Bioabfall, Verpackungen, Restmüll, Glas |
| Druckerraum | Papier, Kartons, Tonerkartuschen | Papier, separate Box für Toner |
| Sanitärräume | Papierhandtücher, Hygieneartikel | Restabfall bzw. nach Vorgabe des Entsorgers |
| Sammelpunkt | Batterien, Elektrokleingeräte, Leuchtmittel | verschließbare Sammelbehälter |
| Aktenvernichtung | vertrauliche Unterlagen | abschließbare Datenschutztonnen |
Wichtig: Benutzte Papierhandtücher und Taschentücher gehören nicht ins Altpapier. Wohin sie gehören, legt der jeweilige Entsorger fest.
Beschriftung, die funktioniert
Ob ein Trennsystem funktioniert, entscheidet sich in der Sekunde, in der jemand vor den Behältern steht. Hilfreich sind:
- Bilder statt Fachbegriffe: Fotos typischer Abfälle über jedem Behälter („Joghurtbecher, Folien, Tetrapak“).
- Einheitliche Farben im ganzen Gebäude, möglichst passend zu den Farben der Tonnen im Hof.
- Deckel mit Öffnungen, die zur Fraktion passen: ein Schlitz für Papier, eine runde Öffnung für Flaschen.
- Häufige Fehler direkt benennen: „Kein Kaffeebecher ins Papier“.
Die Rolle des Reinigungsdienstes
Reinigungskräfte sind nicht dafür da, falsch einsortierte Abfälle nachträglich zu trennen. Das wäre unwirtschaftlich und aus Arbeitsschutzgründen problematisch, weil in Abfällen Scherben oder spitze Gegenstände liegen können. Ihre Aufgabe ist es, die getrennten Fraktionen getrennt zu halten und zum richtigen Sammelbehälter zu bringen.
Im Leistungsverzeichnis sollte deshalb stehen:
- Welche Behälter in welchem Rhythmus geleert werden
- Wohin die einzelnen Fraktionen gebracht werden
- Ob Beutel gewechselt oder – bei sauberen Papierbehältern – weiterverwendet werden
- Wie mit auffälligen Fehlwürfen umgegangen wird, etwa durch eine kurze Meldung an die Ansprechperson
- Wer Datenschutztonnen, Elektroschrott und Batteriesammlungen betreut
- Die Reinigung leert getrennte Behälter in einen gemeinsamen Sack – dann war alle Mühe umsonst
- Zu kleine Biobehälter in der Teeküche, die überquellen und riechen
- Vertrauliche Ausdrucke im normalen Altpapier
- Gelbe Säcke im Treppenhaus, die Brandlast und Geruch verursachen
Vertrauliches und Sonderfälle
Ausdrucke mit Namen, Adressen, Gesundheitsdaten oder Geschäftsgeheimnissen gehören in verschlossene Sammelbehälter und werden von einem Fachbetrieb vernichtet. Die Norm DIN 66399 beschreibt dafür Sicherheitsstufen. Reinigungskräfte sollten an solche Behälter keinen Zugang benötigen. Worauf es beim Zusammenspiel von Reinigung und Datenschutz ankommt, lesen Sie im Beitrag über Reinigung und Datenschutz.
Vom Büro bis zum Müllplatz
Getrennter Abfall muss auch getrennt abgeholt werden. In gemischt genutzten Gebäuden, wie sie in Berlin häufig sind – Büros im Vorderhaus, Wohnungen im Hinterhaus –, teilen sich Gewerbe und Bewohner manchmal den Müllplatz. Ob das zulässig ist, hängt von den Verträgen mit den Entsorgern ab und sollte mit der Hausverwaltung geklärt werden.
Ein sauberer, gut beschrifteter Müllplatz unterstützt die Trennung. Überquellende Tonnen, Gerüche und herumliegende Säcke führen dagegen schnell dazu, dass alles irgendwo eingeworfen wird. Mit der Reinigung von Müllplätzen und dem Säubern der Behälter sorgen wir dafür, dass der Standort gepflegt bleibt; Tipps dazu gibt auch unser Beitrag Mülltonnen reinigen. Wer zusätzlich Tonnen bereitstellen und zurückstellen lassen möchte, kann das über den Hausmeisterservice regeln.
In fünf Schritten zum funktionierenden System
- Bestandsaufnahme: Welche Abfälle fallen wo und in welchen Mengen an? Eine Woche lang Behälter beobachten genügt oft.
- Konzept erstellen: Standorte der Stationen, Behältergrößen, Beschriftung, Abholrhythmus.
- Mit Dienstleistern abstimmen: Entsorger, Hausverwaltung und Reinigungsdienst müssen dasselbe Konzept kennen.
- Belegschaft informieren: Kurze Einführung, klare Plakate, eine Ansprechperson für Fragen.
- Nachsteuern: Nach einigen Wochen prüfen, wo Fehlwürfe gehäuft auftreten, und Beschriftung oder Standorte anpassen.
Eine gut organisierte Abfalltrennung ist ein Baustein, der gut zu anderen Maßnahmen passt – mehr dazu im Beitrag über umweltbewusste Reinigung im Büroalltag.
So unterstützen unsere Teams
Bei der Reinigung Ihrer Büroräume leeren wir die Behälter nach Fraktionen getrennt, bringen sie zu den vereinbarten Sammelstellen und melden auffällige Probleme – etwa dauerhaft überfüllte Biobehälter oder Fehlwürfe – an Ihre Ansprechperson. In der Teeküche achten wir darauf, dass Biobehälter regelmäßig gereinigt werden, damit keine Gerüche entstehen; weitere Hinweise dazu finden Sie unter Hygiene in der Teeküche.
Wir besprechen bei der Besichtigung, wie Sammelstellen und Reinigungsplan zusammenpassen.
Häufige Fragen
Muss ein kleines Büro Abfälle trennen?
Grundsätzlich gilt die Pflicht zur getrennten Sammlung auch für kleine Betriebe. Für geringe Mengen gibt es jedoch Erleichterungen, etwa die Nutzung haushaltsüblicher Sammelsysteme. Klären Sie die Details mit Ihrem Entsorger oder der Hausverwaltung.
Darf die Reinigungskraft alles in einen Sack werfen?
Nein, wenn getrennt gesammelt wird, müssen die Fraktionen getrennt bleiben. Das sollte im Leistungsverzeichnis eindeutig geregelt sein. Unterschiedlich farbige Beutel helfen, Verwechslungen zu vermeiden.
Wohin mit Kaffeekapseln?
Das hängt vom Material ab. Viele Kapseln aus Kunststoff oder Aluminium gehören zu den Verpackungen, manche Hersteller bieten eigene Rücknahmesysteme an. Kompostierbare Kapseln sind nicht automatisch für die Biotonne zugelassen; maßgeblich sind die Vorgaben des Entsorgers.
Brauchen Papierkörbe einen Beutel?
Für reines Papier meist nicht. Der Behälter bleibt sauber, und es wird Plastik gespart. Für Restmüll und Bioabfall sind Beutel dagegen sinnvoll, um Gerüche und Verschmutzung zu vermeiden.
Wie oft sollten Biobehälter im Büro geleert werden?
In der warmen Jahreszeit möglichst täglich, sonst mindestens mehrmals pro Woche. Der Behälter selbst sollte regelmäßig ausgewaschen werden. Ein Deckel und kleinere Behältergrößen helfen gegen Geruch und Fruchtfliegen.



